Das Wort Sicherheitsarchitektur taucht häufig auf in den Mitteilungen des sächsischen Innenministeriums. Aktuell ist diese Konstruktion an vielen Stellen wacklig. Der Freistaat ist bekannt für seine ganz eigenen Sorgen. Eine davon, zwar nicht nur in Sachsen ein Thema, dort aber besonders auffällig: Menschen bewaffnen sich. Um für mehr Sicherheit zu sorgen, hat die sächsische Politik einen neuen Baustein gefunden: In Sachsen sollen Waffenverbotszonen entstehen.

Elbabwärts, in Hamburg, gibt es seit zehn Jahren schon ähnliche Areale. Nun, wo die Sachsen nachziehen, ist die alte Debatte wieder neu entfacht worden. Dabei treffen zwei Dinge aufeinander: Einerseits sind sich viele Lager einig, dass mit Waffenbesitz das Potenzial für Gewalt und Kriminalität wächst. Andererseits fragen viele: Sind Waffenverbotszonen ein effektives Mittel, um dem entgegenzuwirken?

Momentan ist es nur ein Papier, das durch das sächsische Innenministerium wandert. Eine sogenannte Durchführungsverordnung muss noch ausgearbeitet werden, angelegt im sächsischen Waffengesetz – die Übersetzung der Theorie in die Praxis.

"Wir wollen uns quasi erst mal den Pfeil im Köcher besorgen, um ihn später verschießen zu können", sagt Ministeriumssprecher Jan Meinel. Wenn das planmäßig verlaufe, könnten im zweiten Quartal 2017 die ersten Zonen ausgewiesen werden: eng begrenzte Gebiete, in denen Waffen generell verboten sind, Schusswaffen, aber auch gefährliche Gegenstände wie Knüppel und Messer. Wer dagegen verstößt, kann mit einer Geldbuße von bis zu 10.000 Euro bestraft werden. So läuft es zumindest in den zwei Hamburger Verbotszonen. Die eine befindet sich an der Reeperbahn, die andere am Hansaplatz, beides Kriminalitätsschwerpunkte.

In Sachsen sind die Details noch unklar. Wie hoch fallen die Geldbußen aus? Für welche Details werden Ausnahmeregelungen geschaffen? Werden Baseballschläger, die theoretisch nicht als Waffen gelten, in den sächsischen Verbotszonen erlaubt oder nicht? In Hamburg sind sie verboten. Dürfen Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten und Geldtransporten, die Waffen tragen, diese Gebiete passieren? In Hamburg ist das vorgesehen.

Über mögliche sächsische Waffenverbotszonen kursieren derzeit nur Gerüchte. Ganz oben auf dieser Liste stehen die Leipziger Eisenbahnstraße und das Gebiet um den Dresdner Hauptbahnhof, ebenfalls Brennpunkte. Ministeriumssprecher Meinel bleibt noch vage: "Der nächste Schritt wäre, sich mit Sicherheitsexperten in den Kommunen anzuschauen, unter welchen Umständen und an welchen Plätzen solche Zonen eingerichtet werden."

Ein Hintergrund für diese Maßnahme, bestätigt das Innenministerium, sei die zunehmende Verbreitung von Waffen in Sachsen. Vor allem die Zahl der kleinen Waffenscheine, Genehmigungen für frei verkäufliche Schreckschuss- und Reizstoffwaffen, steigt deutlich – allein im vergangenen Jahr um 75 Prozent. 2016 wurden im Freistaat 6.200 erteilt, damit gibt es nun insgesamt etwa 14.600 kleine Waffenscheine. Weiterhin gibt es Monat für Monat erhebliche Zuwächse. Nicht nur in Sachsen. Laut Bundesinnenministerium waren in Deutschland im Januar 2015 knapp 264.000 kleine Waffenscheine registriert. Innerhalb von zwei Jahren hat sich diese Zahl fast verdoppelt. Aktueller Stand im nationalen Waffenregister: etwa 485.000 kleine Waffenscheine.