Bewaffnete Männer haben im Zentrum der afghanischen Hauptstadt Kabul ein großes Militärkrankenhaus angegriffen. 49 Menschen wurden getötet und etwa 76 weitere verletzt, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Donnerstag. Zehn Verletzte seien derzeit in kritischem Zustand. Am Mittwoch waren zunächst geringere Zahlen gemeldet worden.

Einer der Täter, die sich als Ärzte in weißen Kitteln verkleidet hatten, sprengte sich am Eingang der Klinik in die Luft, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" bekannte sich zu dem Angriff.

Der Angriff hatte um kurz nach neun begonnen und konnte erst nach sieben Stunden beendet werden. Es soll sich insgesamt um vier Angreifer gehandelt haben. Drei seien in die Klinik eingedrungen, so der Sprecher. Einer sei erschossen worden, zwei andere hätten sich im zweiten und dritten Stock des Krankenhauses verschanzt. Fernsehbilder zeigten schwere Militärfahrzeuge vor der Klinik. Die Klinik sei abgeriegelt worden, sagte ein Sprecher. Es gebe im Krankenhaus etwa 400 Betten. Patienten, Besucher und Personal konnten erst am frühen Nachmittag aus dem umkämpften Gebäude gebracht werden.

Der "Islamische Staat" hat den Anschlag für sich reklamiert. IS-Kämpfer hätten das Krankenhaus angegriffen, teilte das IS-Sprachrohr Amak in einer nur aus einem Satz bestehenden Botschaft mit. Das Verteidigungsministerium hatte zuvor die radikalislamische Taliban verantwortlich gemacht. Die Taliban erklärten aber, sie seien nicht dafür verantwortlich. Afghanistans Präsident Aschraf Ghani verurteilte den Angriff. Es habe sich um "eine Attacke auf das gesamte afghanische Volk und alle afghanischen Frauen" gehandelt, sagte er in einer Rede anlässlich des Weltfrauentages.

IS zuletzt aktiver geworden

Das Sardar-Mohammad-Daud-Khan-Krankenhaus gilt als eines der besten im Land. Es versorgt Angehörige der Armee und Polizei, sowie ihre Familien. Dort werden auch Militärärzte trainiert. Das Krankenhaus war schon 2011 einmal angegriffen worden. Damals waren sechs Menschen ums Leben gekommen. Im Diplomatenviertel, wo sich die Klinik befindet, waren demnach Explosionen und Schüsse zu hören. In der Gegend liegen auch die US-Botschaft, andere Botschaften sowie die Büros und Gästehäuser vieler internationaler Organisationen. 

In Kabul war im vergangenen Jahr die Zahl der Anschläge stark gestiegen. Die Zahl der zivilen Opfer stieg laut UN innerhalb eines Jahres um 75 Prozent. Seit Beginn dieses Jahres ist es der vierte große Angriff in Kabul. Erst vor zwei Wochen hatten radikalislamische Taliban bei einem Doppelanschlag auf eine Polizeistation und ein Geheimdienstbüro mindestens 23 Menschen getötet und mindestens 107 verletzt. Im Januar hatten sie das Parlament angegriffen und 37 Menschen getötet und mehr als 100 Menschen verletzt. Zu Beginn des Jahres haben die Taliban landesweit ihre Attentate und Angriffe verstärkt.

Die Terrormiliz IS will wiederum in Afghanistan und Pakistan eine neue "Provinz" aufbauen, diese trägt den Namen IS-Khorasan. Seine Kämpfer hatten sich lange auf die Ostprovinzen Kunar und Nangarhar beschränkt. Aber eine IS-Zelle in Kabul ist aktiver geworden. Bei einem Angriff der Terrormiliz "Islamischer Staat" auf das höchste Gericht des Landes waren im Februar mindestens 22 Menschen gestorben. Mindestens 41 Menschen wurden verletzt.