Zur Begründung der "Förderung" gibt das Ministerium an: Das Polizeigesetz NRW schreibe vor, dass die Polizeigewerkschaften bei Gesetzgebungsvorhaben zu Polizeifragen angehört werden müssen. Und dafür nehme man am besten hauptamtliche Funktionäre. Im PolizeiG NRW steht zwar von Anhörungen nichts, aber irgendwo wird es schon stehen, und fair ist es ja auch. Aber dass Verbänden, die angehört werden, hierfür vom Staat ein hauptamtlicher Vorsitzender zu finanzieren sei, das ist ja nun eine wahrhaft absurde Rechtsansicht. Und dass die DPolG, ein Verein mit über 100.000 Mitgliedern, ein Gehalt in Höhe der A-11-Besoldung (3.900 € brutto) für ihren Bundesvorsitzenden nicht zusammenkratzen könnte, ist schlechterdings ein Witz.

Nach neuester Version (vom 6. März) wusste der Minister ja nun grad mal gar nichts, und der Herr Wendt war auch gar nicht Personalrat der Herzen, sondern wurde nur mal so "faktisch freigestellt". Das ist ein Status, der allen Menschen einschließlich dem Kolumnisten als der schönste überhaupt erscheint: "Faktisch freigestellt" zu sein für die ehrenamtlichen Hobbys dieser Welt, und zugleich aus fremden Taschen für einen Dienst besoldet zu werden, den man "natürlich nicht" tut.  Besoldet wurde Herr Wendt vielmehr dafür, die Interessen Dritter (der Gewerkschaftsmitglieder) gegen denjenigen zu vertreten, von dem man sich heimlich bezahlen lässt. Ein Gewerkschaftsführer also mit unsichtbarer gelber Quaste am Revers, und das im Öffentlichen Dienst. Zugegeben: In Rumänien oder in Nigeria würde man so etwas vielleicht nicht so nennen wie in Deutschland. Aber da wäre es ja auch verboten. 

Herr Wendt sagte übrigens kürzlich in einem anderen Interview: "Kriminelle Ausländer haben Respekt vor den Polizeibeamten, aber vor unserer Rechtsordnung nicht." Gut, dass Herr Wendt Inländer ist!

Teil Zwei: Das Rasen

Wenn Sie, verehrte Leser, das Wort "Rasen" auf der Suchmaschine Google eingeben, erhalten Sie nützliche Tipps zur Rasenkantenpflege, zum Rollrasen für Ihre Finka sowie zu den schönsten Golfplätzen dieser Welt. Wenn Sie "Rasen" in Verbindung mit "Mord" haben wollen, müssen Sie das Wort "Umgangssprache" kennen. Es geht dabei um die Seele des Mannes. Das "Rasen" ist nämlich dem männlichen Kraftfahrzeugführer, was das Saufen dem Sommelier und das Vögeln dem Charmeur ist. Jedenfalls behaupten das die unmännlichen Fahrzeugführer. 

Weil das Wort aus unser aller Umgang mit uns selbst stammt, kennen wir sie ja auch alle, die Raser: Es sind die irren Drängler, die tiefergelegten Ampelhoppler, die verantwortungslosen Zone-Dreißig-Ignorierer, die wir pflichtgemäß verachten. Sie stehen entweder auf der Spur neben uns oder kommen von hinten angerast, meist "plötzlich", "verantwortungslos" oder "notorisch". Jedes Mal, wenn wir gerade angesetzt haben, einen mit 120 km/h fahrenden Fernreisebus mit 125 zu überholen, oder wenn wir uns vier Kilometer vor einer auf der rechten Fahrspur befindlichen Baustelle auf den linken Fahrstreifen orientiert haben, kommt von hinten ein Raser angerast, wird kilometerlang zum tateinheitlichen Drängler und schließlich zum kriminellen Rechtsüberholer. Es gibt kaum jemanden, den wir hassen wie diesen: "Rotlichtsünder" und Blitzer-Opfer sind wir selbst, in menschlich verständlicher Eile und unter dem Zwang der Hektik um uns her. Der Rechtsüberholer aber ist der Teufel. Denn er verachtet die Regeln, nach denen wir ihn besiegt haben. Da hilft nur sofortiges Vollgas, auf dass er hinter dem rechts fahrenden Lkw eingeklemmt wird und in die Eisen gehen muss.  Ach, wenn doch einer seinesgleichen beim Ausbremsen einmal rechts hinausschießen würde über die Grenze des Himmels in die Vorhölle des Totalschadens: Pech gehabt!

Praktisch unvermeidlich ist das Rasen aus Anlass von Straßenverkehrsunfällen: "Der kam plötzlich angerast" ist die ultimative Kläger-, Beklagten-, Opfer-, Beifahrer- und vor allem Zeugenaussage. Die vorsichtige Erwägung der Frage, ob das "Plötzliche" und das "Rasen" möglicherweise irgendwie zusammenhängen könnten, stößt in der Regel auf Empörung. Es gibt mindestens zwei Möglichkeiten dafür. Kognitiv: Wenn ich jemanden plötzlich sehe, besteht eine Vermutung, dass er schnell herangekommen ist. Oder Normativ: Verantwortlich muss der Unverantwortliche sein; und das sind wir selbst gewiss nicht. Mit anderen Worten: "Raser" ist immer der oder die andere. Wir selbst sind Verkehrsteilnehmer.

Und dann ist da noch "die Unfallursache Nummer Eins: Zu hohe Geschwindigkeit". Sie ist ein Wunder der Statistik. Unfallursache Nummer Eins bei Radfahrern ist übrigens: Verlust des Gleichgewichts; bei Badeunfällen: Wasser in der Lunge; bei Flugzeugabstürzen: Mangel an Auftrieb. Will sagen: Es liegt auf der Hand, dass ohne Geschwindigkeit überhaupt keine Kfz-Unfälle mit Personen- oder Sachschaden geschehen würden. Daher ist jeder Unfall eine Folge von Geschwindigkeit und zugleich ein Beweis für deren "Unangepasstheit".

Das Rennen

"Rennen mit Kraftfahrzeugen sind verboten", ordnet Paragraf 29 der Straßenverkehrsordnung (StVO) an. Wer dagegen verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit (OWi) nach Paragraf 49 Abs. 2 Nr. 5 StVO, die mit einer Geldbuße geahndet wird (Bußgeldkatalog: 400 € Geldbuße, 2 Punkte, ein Monat Fahrverbot). Diese Regelung ist in der vergangenen Woche in allen Medien oft genannt worden. Der Tenor der Berichterstattung war stets: Unglaublich, dass die Ahndung so milde ist!

Das ist allerdings nicht unbedingt gesichert. Zum einen ist der Bußgeldkatalog keine starre Regelung. Die Geldbuße kann abweichend davon festgesetzt werden, wenn der Einzelfall das nahelegt; sie beträgt dann bis zu 1.000 €. Zum zweiten können Gegenstände, die der Täter zur Tat verwendet hat, eingezogen werden (Paragraf 22 StVO). Zum dritten kann die Verwaltungsbehörde die generelle Fahreignung eines Rennteilnehmers prüfen, ein medizinisch-psychologisches Gutachten anfordern und die Fahrerlaubnis entziehen. 

Überdies wird selten ein illegales Rennen veranstaltet, bei dem sich die Beteiligten an alle Regeln außer an Paragraf 29 StVO halten. Was einem da sonst noch einfällt: Geschwindigkeitsübertretungen, zu schnelles Fahren an übersichtlichen Stellen, Kurvenschneiden, dichtes Auffahren, Schneiden und Abdrängen, Rotlichtverstöße und mancherlei anderes. Bei 160 km/h innerhalb geschlossener Ortschaft (diese Geschwindigkeit sollen die beiden Täter von Berlin erreicht haben) beträgt die Geldbuße 680 €, das Fahrverbot drei Monate. Ein "normaler" Rotlichtverstoß mit Gefährdung ohne Sachschaden bringt 200 € und einen Monat Fahrverbot. In Berlin sollen insgesamt zehn rote Ampeln (vorsätzlich) überfahren worden sein.