Der von Abschiebung betroffene afghanische Berufsschüler aus Nürnberg wird nicht in Abschiebehaft genommen. Das Landgericht lehnte die Beschwerde der Regierung von Mittelfranken gegen einen Beschluss des Amtsgerichts ab. Auch dieses hatte eine Abschiebehaft am Donnerstag verneint. Die Regierung wollte erreichen, dass der 20-jährige bis Ende des Monats in Sicherungshaft kommt. "Die Kammer teilte die Auffassung des Amtsgerichts Nürnberg, wonach keine Haftgründe gegeben sind", sagte ein Sprecher des Landgerichts.

Über den Fall war bundesweit berichtet worden. Bei dem Versuch, den Schüler am Mittwoch aus seiner Berufsschule zur Abschiebung abzuholen, war es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. Demonstranten griffen Polizisten an, diese setzten unter anderem Pfefferspray ein. Erst nach mehreren Stunden konnte der Flüchtling abtransportiert werden, an den spontanen Protesten beteiligten sich mehrere Hundert Menschen.

Betreuerin weist Täuschungsvorwurf zurück

Der junge Mann konnte allerdings nicht wie geplant am Mittwochabend nach Afghanistan abgeschoben werden, weil sein Flug wegen eines Anschlags in Kabul abgesagt wurde. Er befindet sich weiterhin in Nürnberg. Die Polizei verteidigt ihr Vorgehen, den 20-Jährigen aus seiner Schule abgeholt zu haben. Es habe mehrere erfolglose Versuche gegeben, ihn in seiner Wohnung anzutreffen.

Die Betreuerin des Asylbewerbers wies den Vorwurf zurück, ihr Schützling habe die Behörden jahrelang wissentlich über seine Identität getäuscht. Seit der Ablehnung seines Asylantrags habe er mehrfach im afghanischen Konsulat in München vorgesprochen, um die Ausstellung eines Passes zu beantragen. Dies sei ihm jedoch verweigert worden. Bei dem Dokument von 2007, das er zuletzt dem Ausländeramt vorgelegt habe, handle es sich nur um eine Geburtsurkunde. Diese werde vom Innenministerium offensichtlich mit einem Pass verwechselt.