Der Präsident des Bundeskriminalamtes hält die Terrorgefahr durch Linksextremisten in Deutschland für überschaubar. Es gebe innerhalb dieses Spektrums nur wenige Gefährder, denen die deutschen Behörden Terroranschläge zutrauten, sagte Holger Münch der Frankfurter Rundschau. "Im Bereich links gingen die Länder bislang von einer Größenordnung aus, die man an einer Hand abzählen kann."

Die Zahl der Gefährder unter den Rechtsextremisten bezifferte Münch als im niedrigen zweistelligen Bereich liegend. "Anders als derzeit im Bereich der politisch linksmotivierten Kriminalität sehen wir im rechten Spektrum durchaus das Risiko, dass sich terroristische Strukturen bilden können", sagte Münch. Das Thema Zuwanderung habe in den vergangenen beiden Jahren zu einer erkennbaren Radikalisierung der Szene beigetragen. "Die immense Zahl von Straftaten gegen Asylbewerberunterkünfte in den Jahren 2015 und 2016 unterstreichen das."

Die Polizei wolle in solchen Fällen möglichst schnell in offene Ermittlungen eintreten und nicht zu lange beobachten. "Wir wollen kein Abgleiten von Personen in den Untergrund wie beim NSU."

Das größte Risiko gehe nach wie vor von islamistischen Gefährdern aus. Die deutschen Behörden stufen Münch zufolge derzeit 690 Menschen in diese Kategorie ein. Ende 2016 waren es noch 549 Personen, im März dieses Jahres dann 616.

Der Verfassungsschutz bewertet die linke Szene etwas anders. Allerdings nimmt der Geheimdienst keinen direkten Bezug auf Gefährder, sondern nur auf Linksextremismus im Allgemeinen. 

Nach den Krawallen am Rande des G20-Gipfels in Hamburg hatte der Präsident des Bundesamtes, Hans-Georg Maaßen, von einem Erstarken der linksextremen Szene gesprochen. Die "sehr starke linksextremistische Szene" umfasse 28.000 Personen, davon 8.500 gewaltorientierte Extremisten. "Deren Zahl wächst", hatte Maaßen gesagt. Linksextreme seien auch öfter bereit, Gewalt gegen den politischen Gegner und gegen die Polizei anzuwenden. Diese zunehmende Gewaltbereitschaft zeige sich bei Extremisten aller Lager.