Wegen erheblichen Personalmangels
können Polizei und Strafjustiz in Deutschland nach Aussage ihrer
Berufsverbände die Innere Sicherheit nur noch mit Abstrichen
gewährleisten. Der Deutsche Richterbund und die Gewerkschaft
der Polizei (GdP) forderten, es müssten dringend mehr Polizisten, Richter und
Staatsanwälte eingestellt werden.
"Die Probleme sind erheblich", sagte der Vorsitzende des Deutschen Richterbundes, Jens Gnisa. "Es knatscht in der deutschen Strafjustiz an allen Ecken und Enden." Wegen der Überlastung der Justiz würden viele Strafverfahren eingestellt, sie dauerten auch immer länger. Besonders alarmierend sei, dass inzwischen auch Angeklagte mit erheblichen Tatvorwürfen aus der Untersuchungshaft entlassen werden müssten, weil Strafverfahren unvertretbar lange dauerten.
Gnisa sagte, Deutschland brauche mindestens 2.000 zusätzliche Richter und Staatsanwälte. Die Lage werde sich in den kommenden Jahren verschärfen, weil eine "gigantische Pensionswelle" auf die Justiz zukomme. Laut Richterbund gehen in den nächsten 15 Jahren etwa 40 Prozent aller Richter und Staatsanwälte in Bund und Ländern in den Ruhestand. In den neuen Ländern seien es sogar mehr als 60 Prozent. Gleichzeitig gebe es Probleme, Nachwuchs zu finden.
Der GdP-Vorsitzende Oliver Malchow sagte, bei der Polizei
schieden bis 2021 etwa 44.000 Beamte aus dem Dienst. Das sei fast
jeder fünfte der rund 215.000 Vollzugsbeamten in Deutschland. Das
Personal werde zwar inzwischen aufgestockt, aber nicht ausreichend.
Nötig seien darüber hinaus 20.000 Polizisten zusätzlich bis 2021.
Wie brisant der Personalengpass sei, habe sich beim G20-Gipfel in Hamburg gezeigt. Dort seien
23.000 Polizisten eingesetzt gewesen. "Da war aber auch nicht
mehr drin", sagte Malchow. Trotz des massiven Polizeiaufgebotes war es zu Randalen in der Hansestadt
gekommen, derer die Polizei stundenlang nicht Herr wurde.
Die Polizei könne sich nicht mehr so um Sicherheit und
Alltagskriminalität kümmern, wie dies von den Bürgern gewünscht
werde, bemängelte Malchow. Bei Wohnungseinbrüchen etwa würden
die Bürger oft erst Opfer der Diebe und dann des Staates, der
die Fälle mangels Personal nur verwalte und nicht aufkläre. "Das
ist kein handlungsfähiger Staat", sagte Malchow.