Ein großer Raum mit fünf Tischen. Auf jedem Tisch liegt ein Papier, das anzeigt, welche Sprache dort gesprochen wird: Urdu, Paschtu, Persisch, Syrisch, Dari und Tschetschenisch. Flüchtlinge aus Pakistan, Afghanistan, dem Iran, Syrien und Tschetschenien treffen sich im brandenburgischen Forst, um über ihre Bedürfnisse diskutieren. Die einzigen Worte, die an jedem Tisch fallen, sind "Deutschland" und "Forst".

Eingeladen zu dieser ungewöhnlichen Konferenz hat das Projekt Vom Willkommen zur Integration und das Flüchtlingsnetzwerk Forst. Ziel ist es, dass Geflüchtete untereinander ins Gespräch kommen und aus diesen Gesprächen deutlich wird, was sie derzeit am meisten brauchen. Das Flüchtlingsnetzwerk Forst wünscht sich, dass Geflüchtete selbst aktiv werden. "Wir wollen wissen, was sie interessieren würde", sagt Laura Piotrowski, eine Mitarbeiterin der Projektleitung. Auch die Integrationsbeauftrage des Landkreis Spree-Neiße, Annett Noack, nimmt als Gast an der Konferenz teil. "Ich finde es wichtig, dass wir nicht über die Menschen reden, sondern mit ihnen", sagt sie.

An jedem Tisch gibt es einen Dolmetscher, der dafür zuständig ist, die Ergebnisse der Diskussionen den Organisatoren des Treffens auf Deutsch zu übermitteln. Zunächst aber können sich die Flüchtlinge über ihre Bedürfnisse in ihrer Muttersprache austauschen.

Deutsch lernen

Doch die deutsche Sprache ist an allen Tischen das wichtigste Thema: Es gibt nicht genug Sprachkurse.

So erzählt es Mohammad. Er lebt seit 2014 mit seiner Familie in Forst und kommt aus dem Iran. Nur einmal hatte er bisher das Glück, sechs Monate lang einen Deutschkurs zu besuchen. "Sprache ist wichtig für die Integration", sagt er. "Wenn Flüchtlinge schnell Deutsch lernen, können sie sich integrieren." Mohammad ist 36 Jahre alt und ausgebildeter Elektriker. Er bekam eine Schulung in Deutschland und wollte möglichst schnell eine Arbeitsstelle finden. Doch vorher muss er unbedingt besser Deutsch lernen. Als anerkannter Flüchtling hat er ein Recht darauf, doch was tun, wenn kein Kurs angeboten wird?

Manchmal ist es aber mit einem normalen Sprachkurs nicht getan. 365 Zuwanderer gibt es in der brandenburgischen Kleinstadt Forst, und einige von ihnen können auch in ihrer Muttersprache nicht lesen oder schreiben. Sie sind Analphabeten. Sie brauchen spezielle Deutschkurse beziehungsweise zunächst einen Alphabetisierungskurs. Doch so etwas gibt es in Forst nicht.

Noack, die Integrationsbeauftragte, sieht ein, dass der Mangel an Deutsch- und Alphabetisierungskursen ein Problem ist, sagt aber, sie sei dafür nicht zuständig. Es gebe manchmal Deutschkurse für Flüchtlinge an der Volkshochschule. "Doch diese Kurse sind für die Flüchtlinge nicht kostenlos. Sie müssen einen Teil selbst bezahlen." Das wiederum kommt nur für Flüchtlinge infrage, die bereits eine Arbeit haben. Wer Sozialleistungen bezieht, muss warten, bis das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) einen organisiert.