Alwine - Brandenburgisches Dorf für 140.000 Euro versteigert Das Dorf Alwine hat einen neuen Besitzer. Ein Berliner Geschäftsmann hat die Siedlung eigenen Angaben zufolge zum »Wohle der Einwohner« ersteigert. © Foto: Tobias Schwarz/Getty

Im südlichen Brandenburg ist ein komplettes Dorf versteigert worden. Der einzige Bieter erhielt für 140.000 Euro den Zuschlag für den rund 100 Kilometer südlich von Berlin gelegenen Ort Alwine. Das Mindestgebot lag bei 125.000 Euro. In Alwine leben 15 Menschen. Viele der etwa zehn Wohnhäuser sind sanierungsbedürftig oder verfallen. Zu dem Ort gehören auf einer Fläche von rund 16.000 Quadratmetern außerdem mehrere Nebengebäude sowie zehn Schuppen und Garagen.

Die in einem Wald gelegene Siedlung im Landkreis Elbe-Elster gehörte einst zu einer nahegelegenen Fabrik für Kohlebriketts. Nach der Wende wurde die Fabrik geschlossen, viele junge Bewohner Alwines zogen weg. Im Jahr 2000 kauften zwei Brüder das Dorf zum symbolischen Preis von einer D-Mark. Nach dem Tod von einem der beiden kam es nun zu der Versteigerung. 

Organisiert hat sie das Berliner Auktionshaus Karhausen AG. Dessen Vorstand Matthias Knake sagte nach der Versteigerung, der Bieter habe den Kauf "zum Wohle der Einwohner" getätigt und wolle "etwas Gutes tun". Der Käufer komme aus Berlin und wolle sich bald mit dem Bürgermeister treffen, sagte er weiter. Insgesamt gab es laut Knake mehrere Interessenten. Die meisten hätten wegen des erheblichen Sanierungsbedarfs der Gebäude jedoch schnell wieder Abstand von einem Kauf genommen.

"Mal etwas Glück haben"

Der ehrenamtliche Ortsvorsteher des benachbarten Domsdorf, Peter Kroll, zeigte sich nach der Versteigerung optimistisch. "Wir hoffen auf Positives", sagte er in Berlin. Für die überwiegend älteren Bewohner des Dorfes sei es "das Allerwichtigste", dass die Gebäude nun saniert und wieder "bewohnbar und wohnlich werden", sagte Kroll.

Auktionator Knake hatte laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung schon vor der Versteigerung versucht, den Dorfbewohnern ihre Sorge vor einem Umzug wegen womöglich steigender Mieten zu nehmen. "Jeder Immobilieninvestor ist doch froh, wenn er Bewohner hat, die in einem solchen Objekt leben", sagte Knake der Zeitung. Dadurch seien die Gebäude besser vor Vandalismus geschützt. "Wir erwarten einen Käufer, der Alwine nach und nach saniert", sagte Knake. 

Alwine ist Teil der Gemeinde Uebigau-Wahrenbrück. Deren Bürgermeister Andreas Claus kritisierte im RBB die bisherigen Eigentümer vor der Versteigerung für ihre Untätigkeit. "Hier ist seit dem Kauf durch die Eigentümer so gut wie nichts passiert", sagte Claus dem Sender. "Man hat die Miete kassiert, aber ganz wenig getan, um etwas an der Lebenssituation der Menschen zu verändern." Nun wünsche er den Bewohnern, dass sie "mal etwas Glück haben" und dass jemand komme, "der Eigentum als Verantwortung betrachtet und nicht nur versucht, hier Geld rauszuziehen – insbesondere bei den Leuten, die ohnehin schon wenig haben", sagte Claus.