Anis Amri, der am 19. Dezember 2016 einen Laster in den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz steuerte und zwölf Menschen tötete, hatte offenbar auch den Alexanderplatz und den Bereich am Berliner Dom als mögliche Anschlagsziele im Visier. Das gehe aus Akten der ermittelnden Generalbundesanwaltschaft und des Bundeskriminalamts (BKA) hervor, berichten die Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND). Nach Recherchen der Berliner Zeitung plante Amri seine Tat bereits bei seiner Einreise nach Deutschland.

Viermal inspizierte der Tunesier laut RND den Weihnachtsmarkt auf dem Alexanderplatz – zuletzt nur wenige Stunden vor dem Anschlag an der Gedächtniskirche. Auf Amris Handy, das er am Tatort zurückließ, seien Selfies gespeichert, die den späteren Attentäter im Lustgarten vor dem Berliner Dom zeigen. Die Ermittler schließen dem Bericht zufolge daraus, dass der stark frequentierte Bereich vor der Kirche als mögliches Anschlagsziel ein ähnliches Profil wie der Breitscheidplatz und der Alexanderplatz aufwies.

Nach Recherchen der Berliner Zeitung plante Amri seine Tat im Auftrag der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bereits, als er nach Deutschland kam. Er habe dieses Vorhaben bis zuletzt verfolgt und schließlich in die Tat umgesetzt. Ein von den Behörden dem IS zugerechneter Islamist habe Amri bei seiner Einreise begleitet.

Kontakt zu IS-Extremisten

Amri soll über Kontakte in die Islamistenzelle des Predigers Abu Walaa verfügt haben, der ihn möglicherweise zu der Tat inspirierte. In einem LKA-Dokument aus NRW heißt es, Amri sei "mit hoher Wahrscheinlichkeit" durch Gespräche mit Beschuldigten des Abu-Walaa-Netzwerkes "zur Verübung des Anschlags in Berlin angeworben" worden. Von Anfang an habe er laut Berliner Zeitung in direktem Kontakt mit IS-Extremisten in Libyen gestanden und konkrete Instruktionen von ihnen erhalten. Bereits im Dezember 2015 soll Amri sich im Internet darüber informiert haben, wie er Menschen töten könnte.

Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele sagte dem Blatt, die Behörden hätten schon im Februar 2016 Kenntnis über konkrete Anschlagspläne Amris gehabt, über die sich der Attentäter in abgehörten Chats mit libyschen IS-Kämpfern ausgetauscht habe. "Das Bundeskriminalamt kannte diese Protokolle." Aufgrund dieser Verdachtstatsache "hätte der Generalbundesanwalt einen Haftbefehl wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung erwirken können", sagte Ströbele. Amri sei jedoch nicht einmal lückenlos observiert worden.

Bereits zuvor waren mehrere Pannen beim Umgang der deutschen Behörden mit dem als islamistischem Gefährder eingestuften Amri bekannt geworden.