Nach jahrelangem Anstieg sinkt das Misstrauen in die Medien erstmals wieder. 2016 gaben noch 22 Prozent der Befragten in einer Langzeitstudie zu Medienvertrauen an,  dass sie Medienberichten etwa zu Umweltproblemen, Gesundheitsgefahren und politischen Skandalen "nicht" oder "überhaupt nicht" vertrauen. 2017 sagten das nur noch 17 Prozent – fünf Prozentpunkte weniger.

Auch in anderen Fragen zeigte sich dieser Trend. Weniger Menschen glaubten, die Bevölkerung werde systematisch belogen, oder Medien und Politik würden Hand in Hand arbeiten, um die Bevölkerungsmeinung zu manipulieren. Allerdings hatten vor zehn Jahren, im Jahr 2008, lediglich neun Prozent der Befragten angegeben, Medien nicht oder überhaupt nicht zu vertrauen. Zu diesem Ergebnis kam das Institut für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität (JGU) in Mainz.

Der Studie zufolge genießt von allen Medien der öffentlich-rechtliche Rundfunk das größte Vertrauen, dahinter liegen Tageszeitungen. Dagegen misstrauen die Menschen dem Internet immer häufiger. Besonders kritisch sehen viele die Nachrichten aus sozialen Netzwerken, egal, ob sie von seriösen Seiten kommen oder nicht. So könne der generell schlechte Ruf der sozialen Medien laut Studienautor Marc Ziegele auf die etablierten Medien in sozialen Netzwerken abfärben. "Die, die gegenüber Facebook und Co. generell negativ eingestellt sind, begutachten wahrscheinlich auch die Nachrichten etablierter Medien skeptischer", sagt Ziegele.

Die Befunde decken sich mit dem Edelman Trust Barometer, das kürzlich vorgestellt wurde: Das Vertrauen in die klassischen Medien steige, wohingegen Befragte Internetplattformen eher kritisch gegenüberstehen. Das liege an der digitalen Verbreitung von Falschinformationen und manipulierten Nachrichten, die viele Menschen verunsichern.

Auch die Mainzer Forscher vermuten, die lang anhaltende Debatte über Fake News und Hasskommentare sei die Ursache für das große Misstrauen gegenüber Onlineangeboten. Mehr als zwei Drittel der Befragten sehen in diesem Phänomen eine "echte Gefahr für die Gesellschaft". Fast genauso viele fordern von der Politik Gesetze zu ihrer Eindämmung.

Trotz eines relativ hohen Medienvertrauens haben viele Befragte das Gefühl, von den Medien nicht ernst genommen zu werden. Außerdem würden sie gesellschaftliche Umstände oft anders wahrnehmen als in den Medien dargestellt. Besonders die politisch und wirtschaftlich Unzufriedenen sowie AfD-Sympathisanten fühlen sich von den Medien entfremdet.

Die Studie untersucht auch gängige Irrtümer. Mehr als ein Drittel aller Befragten glaubt zum Beispiel, dass Journalisten berichten dürften, was sie wollen, und dass es dabei keine gesetzlichen Schranken gebe (38 Prozent). Brancheninterne Regelungen wie den Pressekodex und die Grenzen der Meinungsfreiheit, des Urheberrechts und des Datenschutzes kennen sie nicht. Andere Befragte glauben im Gegenteil, dass Berichte vor der Publikation zuerst von Behörden geprüft werden (11 Prozent). Insgesamt, zeigt die Studie, sind vor allem jene skeptisch, die über weniger Medienwissen verfügen. Dem könne man mit Aufklärungskampagnen und Meinungsbildung entgegenwirken, sagt Ziegele. "Wenn wir in Bildung investieren und das journalistische Handwerk besser erklären, wird das Vertrauen in die Medien weiter wachsen."

Laut des Edelmann Trust Barometers zeichnet sich für die Medien nicht nur in Deutschland, sondern weltweit ein eher düsteres Bild: Erstmalig seit dem Jahr 2000 wird den Medien weniger vertraut als anderen Institutionen wie Regierungen, Nichtregierungsorganisationen und Wirtschaft. Das ansteigende Misstrauen in 22 der 28 untersuchten Länder bezieht sich auch international vor allem auf soziale Plattformen wie Google, Facebook und Co. Die Glaubwürdigkeit von Journalisten nimmt hingegen weltweit zu.