Der Landesvorsitzende des Weißen Rings Schleswig-Holstein, der frühere Justizminister Uwe Döring, ist am Samstag zurückgetreten. Er wolle Schaden vom Weißen Ring abwenden, der sich seit Jahrzehnten engagiert für Kriminalitätsopfer einsetze und auf Spenden angewiesen sei, sagte Döring.

Hintergrund sind Medienberichte, denen zufolge ein ehemaliger Leiter der Lübecker Außenstelle des Weißen Rings hilfesuchende Frauen sexuell belästigt haben soll. Der heute 73-Jährige hat die Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. Er steht unter Verdacht, zwei Frauen, die sich dem Opferhilfeverein anvertraut hatten, sexuell belästigt und genötigt zu haben. Das berichten Der Spiegel und die Lübecker Nachrichten. Demnach haben die Frauen im Alter von 40 und 50 Jahren Strafanzeige gegen den pensionierten Polizeihauptkommissar gestellt. Seit dieser Woche lägen der Staatsanwaltschaft die Anzeigen vor.

Die zwei Frauen, die unabhängig voneinander Anzeige erstatteten, untermauerten ihre Aussagen mit eidesstattlichen Versicherungen, die den Lübecker Nachrichten vorliegen und detailliert die Vorfälle beschreiben. Danach sollen sie in Beratungsgesprächen sexuell belästigt worden sein. Laut Spiegel soll sich der Mann vor einer Frau auch entblößt haben.

Der Betroffene wies die Vorwürfe zurück. "Das ist ehrverletzend und widerlich", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Er wisse von keiner Anzeige, habe aber selbst Anzeige wegen Verleumdung und übler Nachrede erstattet. Für den Weißen Ring habe er weit mehr als 1.000 Fälle betreut.

Betroffener wurde wegen Vorwürfen aus dem Dienst entfernt

Schon seit Längerem steht der Betroffene unter Verdacht, Frauen sexuell genötigt zu haben. Der bisherige Landesvorsitzende des Weißen Rings, Döring, bestätigte den Lübecker Nachrichten, dass man bereits im November 2016 von ähnlichen Vorwürfen erfahren habe. Daraufhin habe man mit dem Mann vereinbart, dass er Frauen nicht mehr allein in seinem Büro beraten darf. Im Juli 2017 habe der Verband den Mitarbeiter dann zum Rücktritt als Außenstellenleiter gedrängt. Zehn weitere Fälle, die den Mitarbeiter belasten sollen, sind seit Jahresanfang von Frauen bei einer Hotline geschildert worden.

Der Verein Weißer Ring wurde 1976 gegründet und betreut auf ehrenamtlicher Basis Opfer von Straftaten. Die Ehrenamtlichen geben Betroffenen menschlichen Beistand und begleiten sie zur Polizei. Zudem kann der Verein Opfer und ihre Familien finanziell unterstützen. Der Weiße Ring setzt sich außerdem für die Prävention von Straftaten und Schadenswiedergutmachung ein.