Bundeskanzlerin Angela Merkel(CDU) hat den verstorbenen Kardinal Karl Lehmann als "begnadeten Vermittler" zwischen den Konfessionen und Religionen gewürdigt. Sie sei "sehr traurig " über dessen Tod, teilte die Kanzlerin in einer Pressemitteilung mit. Mit tiefer Dankbarkeit denke sie an die guten Gespräche mit ihm. "Er hat mich mit seiner intellektuellen und theologischen Kraft begeistert und war dabei immer auch ein Mensch voll bodenständiger Lebensfreude", schrieb Merkel.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier lobte In einem Kondolenzschreiben an den Mainzer Bischof Peter Kohlgraf das "segensreiche Wirken" Lehmanns. Lehmann sei "ein Mann klarer Worte gewesen, der bei aller Nachdenklichkeit und Konzilianz auch die politische Kontroverse nicht scheute."

Die katholische Kirche verliere mit ihm "einen den Menschen stets zugewandten Seelsorger und großen Gelehrten", schrieb Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU). Lehmann sei "ein hoch angesehener Brückenbauer, ein Förderer der Ökumene und Mann des Dialogs zwischen Kirche, Gesellschaft und Politik gewesen."

Bereits zuvor würdigte die Deutsche Bischofskonferenz ihren ehemaligen Vorsitzenden als einen "großen Theologen, Bischof und Menschenfreund." Der Vorsitzende Kardinal Reinhard Marx erklärte: "Mit seinem Tod verlieren wir einen warmherzigen und menschlichen Bischof, den eine große Sprachkraft auszeichnete." Lehmann ging es laut Marx "immer wieder um die Frage, wie eine menschendienliche und zugleich traditionsverpflichtete Kirche beschaffen sein sollte." Der Kardinal sei ein katholischer Weltbürger und überzeugter Europäer gewesen.

"Mitstreiter für das ökumenische Miteinander"

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch würdigte die Verdienste Kardinal Lehmanns um die Einheit der Kirche in Deutschland. "Ich bin Kardinal Lehmann besonders dankbar, dass er als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz mit großer Ruhe, Besonnenheit und Entschiedenheit die katholische Kirche in Deutschland durch bewegte Zeiten geführt und sich stets für deren Einheit eingesetzt hat", erklärte Koch in Berlin.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) nannte Lehmann einen "Mitstreiter für das ökumenische Miteinander". Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der EKD schrieb in einem Brief: "Durch seine herausragende theologische Kompetenz, gepaart mit einem weiten Herzen, hat er die Ökumene entscheidend vorangebracht". So sei es Lehmann immer darum gegangen, "Christus neu zu entdecken".

Auch die Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz und Hessen gedachten Lehmanns. "Er stand in Treue zur Kirche, aber vor allen Dingen zu den Menschen. Kardinal Lehmann hatte stets ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Anliegen", sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). So habe Kardinal Lehmann in der Flüchtlingskrise "Maßstäbe der Nächstenliebe" gesetzt. Laut dem hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) werde Lehmann "dieser Welt als authentischer Repräsentant und Erneuerer der katholischen Kirche fehlen". Über Parteigrenzen hinweg sei der Kardinal ein "geistig und geistlich bereichernder Gesprächspartner" gewesen. "Ich trauere aufrichtig um ihn", sagte Bouffier.

"Gutes Verhältnis von Christen und Juden"

Julia Klöckner, CDU-Vorsitzende in Rheinland-Pfalz und designierte Landwirtschaftsministerin würdigte Lehmann auf Twitter als das "sympathische Gesicht & Herz von Mainz." Und der designierte Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) twitterte, dass mit Kardinal Lehmann der Welt ein "authentischer Repräsentant und Erneuerer der katholischen Kirche fehlen" wird.

Auch EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker zeigte sich "sehr betrübt" über den Tod von Kardinal Lehmann und bezeichnete ihn als treuen Freund Europas. "Viel hat er dazu beigetragen, Ost und West zusammenzubringen, nicht nur in Deutschland, sondern auch im Dialog mit Polen", erklärte Juncker. "Als moralischer Kompass" habe der Kardinal laut Juncker an "die Werte erinnert, die Europa zu etwas Besonderem machen". Solidarität und Nächstenliebe seien ihm ein Handlungsauftrag gewesen.

Der Zentralrat der Juden in Deutschland würdigte den Beitrag Lehmanns zur Versöhnung zwischen Juden und Christen. "Mit hoher Sensibilität und Klugheit hat sich Kardinal Lehmann stets für ein gutes Verhältnis von Christen und Juden eingesetzt", erklärte die Vertretung der jüdischen Gemeinden am Sonntag in Berlin. "Dabei gelang es ihm auch, Missverständnisse oder Unstimmigkeiten auszuräumen."