Wie erinnern wir uns an die NS-Vergangenheit? An den Aufstieg einer völkischen Partei, an die zunehmende Stigmatisierung einzelner Bevölkerungsgruppen, die schließlich im Holocaust gipfelte, ihrer systematischen und industriellen Ermordung? Diese Frage stellt sich nicht nur am heutigen 8. Mai, dem Tag der Befreiung Deutschlands durch die Alliierten. Sie stellt sich jeden Tag, besonders in Zeiten, in denen AfD-Chef Alexander Gauland fordert, man müsse auch stolz sein auf die Leistungen der deutschen Wehrmacht, und sein Parteifreund Björn Höcke das Holocaustmahnmal als "Denkmal der Schande" verunglimpft.

Wie erinnern Sie sich?

Da ist zum einen die institutionalisierte Erinnerungskultur, auf die viele Deutsche stolz sind: Allein in Berlin sind mit dem Holocaustmahnmal, dem Jüdischen Museum, der Topographie des Terrors, dem Haus der Wannseekonferenz und dem Kapitulationsmuseum etliche Orte geschaffen, an denen der Schrecken des Nationalsozialismus gedacht wird.

Da ist zum anderen das Erinnern im Privaten. Und es scheint, als würden viele Deutsche dabei ihre eigene Familiengeschichte beschönigen. In einer im Februar veröffentlichten Studie gaben lediglich 17,6 Prozent der Befragten an, dass unter ihren Vorfahren Täterinnen und Täter des Zweiten Weltkriegs waren. Etwa ebenso viele, 18 Prozent, bejahten jedoch die Aussage, ihre Vorfahren hätten in der Zeit bis 1945 potenziellen Opfern geholfen. 54 Prozent sagten, ihre Vorfahren seien selbst Opfer des NS-Regimes gewesen.

Schätzungen zufolge beläuft sich die Zahl derer, die durch das NS-Regime bedrohten Mitbürgerinnen und Mitbürgern zu Hilfe kamen, auf 20.000 bis 200.000 Menschen. 200.000, das entspräche einem Anteil von 0,3 Prozent der damaligen Bevölkerung – eine Zahl, die weit niedriger als die 18 Prozent der aktuellen Umfrage.

Vor dem Hintergrund dieser Zahlen möchten wir Sie fragen: Hat sich die deutsche Wahrnehmung verschoben? Wie wird in Ihrer Familie über die NS-Zeit gesprochen? Wissen Sie, ob Ihre Vorfahren Mitglieder der NSDAP waren? Wird eine Mitschuld diskutiert? Oder liegt der Fokus vielmehr auf dem eigenen Leid, dem Leid der Heimatvertriebenen, der Kriegsversehrten, der Hinterbliebenen?

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