Der Deutsche Philologenverband fordert für Medizinstudienplätze ein komplett neues Auswahlverfahren, um die jahrelangen Wartezeiten zu beenden. "Die Warteliste sollte abgeschafft werden. Warten befähigt nicht zu einem Studium", sagte die Vorsitzende des Lehrkräfteverbandes, Susanne Lin-Klitzing, der Welt. In den Auswahlverfahren an Hochschulen solle die Abiturnote ebenso berücksichtigt werden wie auch medizinische Erfahrung, verlangt der Verband. 

Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hatte Ende vergangenen Jahres geurteilt, dass das Zulassungsverfahren zum Medizinstudium teils verfassungswidrig ist und bis Ende 2019 neu geregelt werden muss. Derzeit werden 20 Prozent der Medizinstudienplätze zentral über die Abiturnote von 1,0 bis 1,2 vergeben, 20 Prozent über Wartezeiten – zurzeit sind das 14 bis 15 Semester. Die übrigen 60 Prozent der Plätze können die Hochschulen in eigenen Auswahlverfahren vergeben. 

Das sei mit dem Grundrecht auf freie Berufswahl nicht vereinbar, hatten die Richter geurteilt und das Zulassungsverfahren für unzulässig erklärt. Zudem kritisierten sie die mangelnde Vergleichbarkeit von Abiturnoten. Am 14. und 15. Juni wollen die Kultusminister der Länder erste Eckpunkte für ein neues Zulassungsverfahren beschließen. Wichtigste Neuerung soll dabei laut Deutschlandfunk der Wegfall der Wartezeitquote sein. An ihre Stelle solle eine eignungsorientierte Talentquote treten, die noch nicht näher definiert ist.

Die Vorstellungen des Philologenverbands sind da konkreter: In jedem Bundesland sollten 30 Prozent der Plätze an die Jahrgangsbesten vergeben werden. Die restlichen 70 Prozent könnten über ein Auswahlverfahren verteilt werden, das der Philologenverband in drei Kriterien gliedern würde: Zu 20 Prozent sollte die medizinische Erfahrungen eine Rolle spielen, 40 Prozent sollte ein bundesweit einheitlicher Test ausmachen und die restlichen 40 Prozent auf die Abiturnote entfallen.