Kein Gerenne, keine lauten Stimmen, kein Stühlerücken. In der Heinz-Brandt-Schule in Berlin ist es am Montag um 8 Uhr ungewöhnlich ruhig. Montags gibt es keinen Unterricht vor 9 Uhr. So hat es Schulleiterin Miriam Pech beschlossen. Stattdessen sitzen in dem roten Klinkerbau in Pankow Klassenlehrer, Fachlehrer Referendare und Schulsozialarbeiter an einem Tisch. Für jeden Jahrgang berät sich ein eigenes Team. Je nach Problemlage wird auch mal der Schulpsychologe oder ein Vertreter des Jugendamts dazu geholt.

Bis zu 15 Personen können da zusammenkommen, sagt Pech. Sie fragen sich etwa: Was steht diese Woche bei den Siebtklässlern an? Wer betreut den Schulausflug? Wie geht es weiter mit dem Schüler, der vergangene Woche Alkohol mit in die Schule gebracht hat? Das Team überlegt dann gemeinsam, ob zum Beispiel eine Klassenkonferenz nötig ist oder ob die Eltern kontaktiert werden müssen – oder beschließt, dass die Sozialarbeiterin demnächst einmal die Woche Teambuilding mit einer zerstrittenen Klasse übt. Gibt es ein Problem mit einer Klasse oder einem einzelnen Schüler, können alle gemeinsam das Puzzle aus Ereignissen und Eindrücken zusammensetzen und sich Maßnahmen überlegen.

Ganztagsschulen müssen sich um Erziehung kümmern

Sich Zeit nehmen für den gemeinsamen Austausch, für die Arbeit im Team – das war Schulleiterin Miriam Pech wichtig, als ihre Schule 2010 den gebundenen Ganztag einführte und aus der damaligen Hauptschule eine Integrierte Sekundarschule wurde.

Denn, wenn Schule bis weit in den Nachmittag hinein dauert, muss sie sich deutlich mehr um Erziehung und die sozialen Probleme der Schüler kümmern als die traditionelle Halbtagsschule. Auch die Inklusion stellt die Schulen vor neue Herausforderungen. Und die sollten die Lehrer nicht mehr als Einzelkämpfer bewältigen müssen. Nach dem Unterricht fehle für Teamgespräche oft die Konzentration, sagt die selbstbewusste 50-Jährige. "Das ist einfach verantwortungslos."

Mehr Investitionen in die multiprofessionelle Teamarbeit forderte im Zusammenhang mit Gewalt und Mobbing an Schulen jüngst der Verband für Bildung und Erziehung, eine Woche später war es der Brandenburgische Pädagogenverband, davor die Landtags-SPD in Bayern. Alle sind sich einig, dass sie notwendig ist. Nur wie sieht multiprofessionelle Zusammenarbeit in den Schulen Deutschlands aus? Ist sie schon so selbstverständlich wie an der Heinz-Brandt-Schule?

Mehrere Millionen Euro geben die Schulministerien des Landes für multiprofessionelle Teams aus, wie sie selbst betonen. In Hessen und Nordrhein-Westfalen etwa habe man mehrere Hundert Stellen für sozialpädagogische Fachkräfte bereitgestellt, weitere sollen folgen. Schleswig-Holstein erklärt, multiprofessionelle Teams seien längst die Regel. Und Mecklenburg-Vorpommern stellt klar, dass schon seit 1995 multiprofessionelle Teams zum Einsatz kommen.

Aber eine eindeutige Definition, was darunter zu verstehen ist, gibt es nicht. Klar ist nur: Es vereint mehrere Professionen. Und dass Lehrer, Sozialarbeiter, Schulpsychologen und Integrationshelfer zum multiprofessionellen Team gehören sollten, darin sind sich die meisten auch einig. Aber ist auch der Hausmeister, die Küchenkraft oder der Lehrer aus der benachbarten Musikschule, der einmal in der Woche zu Gast ist, Teil des Teams? Und: Arbeiten alle wirklich zusammen oder nebeneinander her?