Eine Delegation deutscher Bischöfe ist zu einem Klärungsgespräch mit Vertretern des Vatikans nach Rom gereist. Es geht um die Frage, ob auch nicht katholische Ehepartner die Kommunion empfangen dürfen.

Die Bischofskonferenz unter ihrem Vorsitzenden, dem Münchner Erzbischof Reinhard Marx, hatte im Februar eine Handreichung beschlossen, die in Einzelfällen auch dem protestantischen Ehepartner den Empfang der Kommunion erlaubt. Eine siebenköpfige Gruppe unter Führung des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Woelki lehnt dies ab und wandte sich in einem Schreiben an Papst Franziskus.

Papst Franziskus hat Vermittlung angeregt

Auf Anregung des Papstes kommen nun Vertreter beider Gruppen mit dem Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Ladaria, und dem Präsidenten des päpstlichen Ökumenerats, Kurt Kardinal Koch, zusammen. Kardinal Marx reist mit dem Magdeburger Bischof Gerhard Feige und Bischof Karl-Heinz Wiesemann aus Speyer nach Rom. Beide waren als Vorsitzende der Ökumene- und der Glaubenskommission an dem Beschluss beteiligt. Woelki hingegen setzt auf den Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. Der Dogmatiker und frühere Mitarbeiter des heutigen Kardinals Gerhard Ludwig Müller begleitet ihn nach Rom.

Münsters Bischof Felix Genn soll dem Vernehmen nach zwischen beiden Seiten vermitteln helfen. Er hat sich öffentlich hinter die Mehrheit der Bischöfe gestellt, zugleich aber Verständnis für die Kritiker bekundet. Zudem nehmen vonseiten des Vatikans Pater Markus Graulich, Untersekretär des Rats für die Auslegung der Gesetzestexte, sowie Pater Hermann Geißler, Amtschef der Lehrabteilung in der Glaubenskongregation, an den Verhandlungen teil.

Beratungen wurden presseöffentlich angekündigt

Kritiker Woelki argumentiert in dem Streit, dass eine nationale Bischofskonferenz keinen Beschluss mit solcher Tragweite fassen kann. Dauer und Ergebnis der Verhandlungen in Rom ist völlig offen. So wägt Ökumeneratspräsident Koch bei dem Thema vorsichtig ab und will aus Rücksicht gegenüber evangelischen Gesprächspartnern kein Vorpreschen auf diesem Feld.

Dass die Glaubenskongregation Vertreter einer Bischofskonferenz zur Klärung einer offenen theologischen und pastoralen Frage nach Rom ruft, ist ein seltener, wenn nicht beispielloser Vorgang. Ebenso ungewöhnlich war die Ankündigung der Beratungen durch das vatikanische Presseamt. Die Kurie zeigt, dass sie die Kontrolle über den Streit zurückgewinnen und den Gang der Debatte nicht den sozialen Netzwerken überlassen will.

Lösung für Deutschland könnte schnell gefunden werden

Angesichts der Zahl der Beteiligten ist die Zeit des Treffens fast zu kurz, um auch nur die Sichtweisen und Argumente auszutauschen. Ein fachliches Urteil in dem Streit zu sprechen, fiele dem Glaubenspräfekten Ladaria zu. Während für Deutschland der Konflikt relativ zügig gelöst werden könnte, ist eine gesamtkirchliche Klärung der Kommunionsfrage eine sehr viel komplexere Angelegenheit.