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Was macht die seit Jahren andauernde Polarisierung beim Themenkomplex Islam, Integration, Migration und Flucht mit den Menschen in Deutschland und Europa? Sie beschäftigt viele Bürger – auch in ihren intimsten Momenten.

Recherchen von ZEIT ONLINE zeigen, dass das Phänomen der "Flüchtlingspornografie" seit 2015 in Deutschland und in vielen anderen europäischen Gesellschaften virulent geworden ist. Die Nachfrage an pornografischen Filmen, bei denen geflüchtete Frauen beim Sex gezeigt werden, steigt. Große Plattformen für Pornografie im Internet registrieren eine steigende Nachfrage, vor allem in Hochzeiten des politischen Streits.

Nutzer können auf Seiten wie Pornhub, xHamster und RedTube mit Begriffen nach Pornos suchen. Immer mehr User tippen seit 2015 das Wort "Refugee" in die Suchleiste ein und stoßen danach auf Videos, in denen geflüchtete Frauen oder Pornodarstellerinnen, die Flüchtlinge spielen, erniedrigt werden.

ZEIT ONLINE hat Datensätze zum Konsum dieses speziellen, pornografischen Genres erhalten und sie mit Statistikexperten und Sexualwissenschaftlern analysiert.

Was ist "Refugeeporn"?

Dieses Genre konzentriert sich auf heterosexuelle Pornografie. Flüchtlingspornografie spielt dabei mit dem Motiv der mysteriösen, fremden Frau, die meist von weißen Männern verführt, erobert und dominiert wird.

Einerseits wurden nach dem Jahr 2015 ältere Clips im Internet mit neuen Schlagwörtern versehen. In den Filmcredits ist bei einem Video zum Beispiel das Jahr 2003 aufgeführt, der Clip wurde mit den Schlagwörtern "Refugee" und "Syrian" im Jahr 2017 neu hochgeladen. Dort ist zu sehen, wie eine Frau, nur mit einem Kopftuch bekleidet, von einem weißen Mann penetriert wird.

Andere pornografische Inhalte werden offenbar direkt für diesen neuen Markt produziert. In diesen Filmen spielen mutmaßlich echte Syrerinnen mit, gesprochen wird auf Arabisch. 

In Berlin hat sich der Pornodarsteller und -produzent Antonio Suleiman niedergelassen. Der Syrer macht auf Twitter, Facebook, Snapchat und Instagram exzessiv Werbung für seine Flüchtlingspornografie made in Germany. Er war für eine Interviewanfrage von ZEIT ONLINE nicht zu erreichen. Suleiman ist aber ein gutes Beispiel dafür, dass diese Produzentenszene eher jung ist und auf die neue Nachfrage auf dem deutschen Pornomarkt reagiert.  

Die entsprechenden Videos werden aber auch in anderen westlichen Ländern, vor allem in den USA, produziert. In einem Video, in dem auf Englisch gesprochen wird, ist beispielsweise eine Syrerin zu sehen, wie sie von einem "kaukasischen Mann" penetriert wird. Der Titel dieses Pornofilms: "Syrian Refugee Sucks Huge White Cock for Dinner Money". Das Video wurde bis Ende April 420.000-mal aufgerufen. Der beliebteste Kommentar stammt von einem User namens ghostwalker, der sich beschwert, dass sich heutzutage geflüchtete Frauen die Schamhaare rasieren würden. Ein anderer User schreibt auf Deutsch: "Flüchtlingsfotzen willkommen." 

Wie oft wird so etwas in Deutschland geschaut?

Der weltweit größte Anbieter pornografischer Inhalte im Internet, Pornhub, teilt schriftlich mit, dass das Phänomen der Flüchtlingspornografie "sehr heikel" sei. Zwar sehe das Unternehmen mit Sitz in Kanada einen Zusammenhang zwischen politischer Polarisierung und dem Konsum von Pornografie, Daten dazu wolle der Anbieter mit mehr als zwei Milliarden Klicks (Unique Visits) weltweit pro Monat aber nicht bereitstellen.