Laut aktuellem ARD-Deutschlandtrend ist eine breite Mehrheit der Bundesbürger für eine harte Linie in der Asylpolitik. In der Umfrage sprachen sich 86 Prozent der Befragten für eine konsequente Abschiebung von abgelehnten Asylbewerbern aus. Dass Flüchtlinge ohne Papiere nicht nach Deutschland einreisen dürfen, finden 62 Prozent der Befragten richtig. Zur Einrichtung sogenannter Ankerzentren zur Erstaufnahme von Flüchtlingen gab es 61 Prozent Zustimmung. 

Die Befragung fand vor der Zuspitzung des Unionsstreits über die Asylpolitik am Donnerstag statt. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) will Asylbewerber, die bereits in anderen EU-Ländern registriert sind, schon an der deutschen Grenze abweisen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lehnt das ab. Sie ist gegen nationale Alleingänge und setzt auf gesamteuropäische Lösungen. Wegen des Streits der Unionsparteien unterbrach der Bundestag am Donnerstag seine Plenarsitzung für getrennte Sondersitzungen der Fraktionen.

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) Deutschland hat in der Nacht davor gewarnt, bereits in anderen EU-Ländern registrierte Schutzsuchende an der Grenze abzuweisen. Deutschland sei verpflichtet, bei Schutzsuchenden, die an der Grenze um Asyl nachsuchen, zu prüfen, welches Land zuständig sei, sagte Dominik Bartsch, der Leiter des UNHCR in Deutschland, der Tageszeitung Die Welt. Zumindest für die Dauer dieser Prüfung müsse die betreffende Person auch bleiben dürfen, fügte er an. Eine Zurückweisung wäre "europarechtswidrig"; ein Problem, das viele Staaten betreffe, könne nur gemeinsam gelöst werden.

Seehofer verliert an Beliebtheit

Mit der Arbeit der Bundesregierung insgesamt sind laut "Deutschlandtrend" 37 Prozent der Befragten zufrieden oder sehr zufrieden. Das sind drei Punkte mehr als vor einem Monat. 63 Prozent äußerten sich weiterhin weniger beziehungsweise gar nicht zufrieden.

In der Liste der beliebtesten Politiker erreicht Kanzlerin Merkel mit 50 Prozent Zustimmung einen Punkt weniger als noch Ende Mai. Mit der politischen Arbeit von Außenminister Heiko Maas (SPD) sind 46 Prozent sehr zufrieden oder zufrieden – ein Plus von drei Prozentpunkten. Seehofer verliert vier Punkte und erreicht 43 Prozent Zustimmung. Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) verliert sechs Punkte und kommt auf 40 Prozent Zustimmung.

Für den Deutschlandtrend ließ die ARD am Montag und Dienstag dieser Woche 1.006 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger telefonisch befragen.