Die Zahl der ausländischen Pflegekräfte in Deutschland hat sich in den vergangenen fünf Jahren deutlich erhöht. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage (PDF) der AfD hervor.

Nach Angaben der Bundesregierung waren im Juni 2017 etwa 133.000 ausländische Pflegekräfte in Deutschland tätig. Vor fünf Jahren waren es noch 79.000. Der überwiegende Teil davon –  96 Prozent –  sei sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Diese Zahl sei demnach in den letzten fünf Jahren stark angestiegen, die Zahl der geringfügig Beschäftigten dagegen nur leicht: auf 5.900.

Etwa die Hälfte komme aus dem EU-Ausland, unter den Pflegekräften aus Drittstaaten komme ein Drittel aus Ländern des Balkans. Anlass der Anfrage eines AfD-Abgeordneten waren "Berichte eines Bürgers", der daran gescheitert sei, Visa für philippinische Fachkräfte zu bekommen.

"Der ganz überwiegende Teil des Fachkräftebedarfs kann durch inländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gedeckt werden", schreibt die Bundesregierung in ihrer Antwort. Trotzdem bestehe in fast allen Bundesländern ein Fachkräftemangel in der Gesundheits- und Krankenpflege, im Rettungsdienst und in der Geburtshilfe. In der Altenpflege fehlen vor allem ausgebildete Fachkräfte und Spezialistinnen: zum Beispiel für klinische Geriatrie, Rehabilitation, palliative Pflege oder Onkologie.

Stellen in der Altenpflege fast sechs Monate vakant

Fast ein halbes Jahr blieben solche Stellen zwischen November 2016 und Oktober 2017 im Schnitt vakant – mehr als zwei Monate länger als in anderen Berufen. Auf 100 gemeldete freie Stellen kamen im selben Zeitraum rechnerisch nur 29 Arbeitslose. Bei Pflegehelfern besteht dagegen ein massives Ungleichgewicht in die entgegengesetzte Richtung: im bundesweiten Jahresdurchschnitt kamen auf 100 Stellen für Altenpflegehelfer 522 Arbeitslose, auf 100 Stellen für Krankenpflegehelfer sogar 750.

Gesundheitsminister Jens Spahn hatte im März angekündigt, mehr EU-Ausländer als Pflegekräfte zu gewinnen. "Pflegekräfte aus unseren Nachbarländern einzuladen, ist die nächstliegende Option", hatte er der Rheinischen Post gesagt. Im Koalitionsvertrag ist ein neues Einwanderungsgesetz für Fachkräfte vorgesehen, das die Verfahren vereinfachen und beschleunigen soll.

Den Bedarf an Fachkräften decke die Bundesregierung bereits mit bilateralen Kooperationen, heißt es in der Antwort. Bis 2016 habe man in einem Modellprojekt vietnamesische Altenpflegerinnen angeworben. Bis 2019 laufe ein ähnliches Projekt für vietnamesische Krankenschwestern. Weitere Drittstaaten sollen folgen. Auch mit Bosnien-Herzegowina, Serbien, Philippinen und Tunesien laufen bilaterale Vereinbarungen. Der Fachkräftemangel in der Pflege ist indes kein deutsches Problem: Laut der Weltgesundheitsorganisation fehlt weltweit in 57 Staaten Gesundheitspersonal. Aus diesen Ländern werbe die Bundesregierung aber kein Pflegepersonal an, heißt es.