Im Zuge des Skandals um sexuellen Missbrauch in Chiles katholischer Kirche hat die Polizei bei einer Razzia in einem Bistum Dokumente beschlagnahmt. Auch das Kirchengericht in der Hauptstadt Santiago de Chile sei durchsucht worden, teilten die Behörden mit. Die Staatsanwaltschaft hatte die Razzien angeordnet, nachdem Vorwürfe gegen 14 Geistliche im Bistum Rancagua wegen sexuellen Fehlverhaltens gegenüber Minderjährigen aufgekommen waren.

Staatsanwalt Emiliano Arias sprach von einem "Meilenstein", da zivile Behörden bislang nicht gegen Kirchenvertreter vorgingen. Er betonte jedoch, dass dies keine Untersuchung gegen die katholische Kirche sei, sondern Hinweisen gegen einzelne Kirchenvertreter nachgegangen werde.

Die katholische Kirche in dem südamerikanischen Land wird seit längerem mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger konfrontiert. Als eine Konsequenz waren drei Bischöfe nach monatelangen Protesten seitens Missbrauchsopfern zurückgetreten, darunter der Bischof der Diözese von Osorno, Juan Barros. Er hatte im Mittelpunkt des Skandals gestanden und soll Sexualdelikte des verurteilten früheren Pfarrers und Priesterausbilders Fernando Karadima gedeckt haben.

Sonderermittler des Vatikan sollen aufklären

Neben dem Rücktritt von Barros akzeptierte Papst Franziskus am Montag auch das Rücktrittsgesuch des Erzbischofs von Puerto Montt, Cristián Caro und das des Bischofs von Valparaíso, Gonzalo Duarte. Derzeit befinden sich die Sonderermittler des Vatikan, der maltesische Erzbischof Charles Scicluna und der Papstgesandte Jordi Bertomeu in Chile, um sich mit Missbrauchsopfern zu treffen und die Fälle aufzuklären. "Wir sind gekommen, um um Vergebung zu bitten", sagte Bertomeu bei der Ankunft.

Der Papst hatte Barros 2015 trotz der gegen ihn erhobenen Vorwürfe zum Bischof von Osorno ernannt. Anfang des Jahres nahm er den 61-Jährigen außerdem bei einem Chile-Besuch öffentlich in Schutz. Später bat er um Verzeihung und räumte ein, die Lage falsch eingeschätzt zu haben.