An einer Schule in Berlin haben Schüler einen Klassenkameraden jüdischer Abstammung drangsaliert und beleidigt. Wie lange das judenfeindliche Mobbing angedauert habe, ist unklar, teilte der Leiter der deutsch-amerikanischen John-F.-Kennedy-Schule, Steffen Schulz, mit. Er kündigte eine gründliche Aufklärung an.

Schulz zufolge habe die Schule am 7. Juni von den Vorfällen erfahren. Seitdem ist der Junge nicht mehr zum Unterricht erschienen. Einen Tag nachdem man von dem Fall erfahren habe, habe sich die Schule mit den Eltern des Opfers in Verbindung gesetzt. "Wir konnten die Familie aber nicht zufriedenstellen", sagte der Geschäftsführende Direktor, Brian Salzer. Daraufhin hätten sich die Eltern an die Medien gewandt.

Der Schüler erhielt nach Medienberichten Zettel, auf die Hakenkreuze gemalt waren. Auf dem Schulweg hätten ihm Mitschüler Zigarettenrauch ins Gesicht geblasen und gesagt, er solle an die im Dritten Reich vergasten Juden denken.

Die beiden Schulleiter betonten, dass sie zuvor von antisemitischen Vorfällen an der Schule nichts gewusst hätten. Man habe Gespräche mit den Eltern der beteiligten Schüler aufgenommen.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, rief die Schule auf, die notwendigen Konsequenzen aus dem Fall zu ziehen und dafür zu sorgen, dass ein derartiges Mobbing nicht mehr vorkommt. "Antisemitismus ist oft auch da, wo man ihn überhaupt nicht vermutet", sagte Klein Welt Online.

Steinmeier besorgt über antisemitische Vorfälle

Auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zeigte sich besorgt über die Zunahme antisemitischer Vorfälle in Deutschland, etwa an Schulen. "Es bleibt unsere historische Verantwortung, für Verhältnisse zu sorgen, in denen in Deutschland niemand Angst haben muss, eine Kippa zu tragen oder seinen jüdischen Glauben auszuüben", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, mahnte die Schulen, antisemitische Vorfälle ernst zu nehmen und nicht zu vertuschen. Es handle sich um ein gesamtgesellschaftliches Problem. Solche Vorfälle gebe es an allen Schulformen und überall in Deutschland. Religiös motiviertes Mobbing gehe zwar häufig, aber nicht nur von muslimischen Schülern aus, betonte Schuster. Er rief dazu auf, Lehrkräfte fortzubilden, um auf antisemitische Vorfälle angemessen zu reagieren. Sie bräuchten den Rückhalt der Schulleitungen und der zuständigen Behörden.

Die John-F.-Kennedy-Schule in Berlin-Zehlendorf hat nach eigenen Angaben rund 1700 deutsche, amerikanische und andere internationale Schüler. Sie gilt als renommierte Adresse. In den vergangenen Monaten waren immer wieder Fälle von Judenhass in Berlin bekannt geworden. Zuletzt hatte ein syrischer Flüchtling einen Israeli angegriffen, der auf der Straße eine Kippa trug. Der 19-Jährige wurde zu vier Wochen Arrest verurteilt.