Norwegen hat sich als neuntes europäisches Land bereit erklärt, Asylsuchende von einem Schiff der deutschen Hilfsorganisation Lifeline aufzunehmen. Das teilte der maltesische Ministerpräsident Joseph Muscat mit. Die Zusage gelte für jene aus dem Mittelmeer geretteten 234 Menschen, die als Asylsuchende anerkannt werden könnten. Jene, die als Wirtschaftsmigranten eingestuft würden, würden in ihre Herkunftsländer zurückgeschickt.

Von der Lifeline wollen neben Norwegen außerdem Frankreich, Portugal, die Niederlande, Luxemburg, Italien, Belgien, Irland und Malta selbst Asylsuchende aufnehmen.

Helfer beklagen "Kriminalisierungskampagne"

Die Rettungsorganisationen Lifeline und Sea-Watch erhoben schwere Vorwürfe gegen die europäischen Regierungen und forderten eine europäische Lösung im Umgang mit Flüchtlingen im Mittelmeer. Sie seien einer Kriminalisierungskampagne ausgesetzt, sagte Marie Naass von Lifeline. Die Hilfsorganisationen würden von der Politik zu Sündenböcken für eine verfehlte Migrationspolitik gemacht. "Uns gibt es nur, weil Staaten ihrer Verantwortung nicht nachkommen", sagte Naass.

Das gleichnamige Rettungsschiff der Organisation, die Lifeline, hatte in der vergangenen Woche vor der libyschen Küste 234 Flüchtlinge gerettet und war danach tagelang über das Mittelmeer geirrt, weil Italien und Malta dem Schiff ein Anlegen verweigert hatten. Am Mittwochabend erhielt es die Erlaubnis, im Hafen von Valletta anzulegen.

Gerichtstermin am Montag

Maltas Regierung wirft dem Lifeline-Kapitän vor, gegen internationale Gesetze verstoßen und Anweisungen der italienischen Behörden missachtet zu haben. Der Kapitän sei zwei Mal von der maltesischen Polizei befragt worden, teilte der Rechtsberater der Organisation mit. Er soll nun auf Malta vor Gericht gestellt werden. Ihm würden Verfehlungen im Zusammenhang mit der Registrierung des Schiffes vorgeworfen. Gerichtstermin sei am Montag.

Dem Kapitän war auch vorgehalten worden, die Anweisungen der italienischen Behörden bei der Rettung der Migranten vor Libyen ignoriert zu haben. Die Regierung in Rom hatte das Schiff nach eigenen Angaben angewiesen, der libyschen Küstenwache die Bergung zu überlassen. Nach Darstellung der Helfer kam die Küstenwache aber nicht schnell genug zu Hilfe.