Frankreich hat sich dazu bereit erklärt, die Flüchtlinge des deutschen Rettungsschiffs Lifeline aufzunehmen. Das von einer deutschen Hilfsorganisation betriebene Schiff könne möglicherweise in Malta anlegen, sagte ein Sprecher der französischen Regierung dem Radiosender RTL. Für das Schiff zeichne sich eine "europäische Lösung" ab.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron habe am Montag in einem Telefonat mit Maltas Regierungschef Joseph Muscat über das Schiff gesprochen, sagte der Sprecher. Seine Regierung sei bereit, ein Expertenteam nach Malta zu schicken, um die Asylanträge der Flüchtlinge "individuell" zu prüfen.

Malta, Spanien und Italien hatten der Lifeline zuvor verweigert, einen Hafen in ihren Ländern anzulaufen. Das von der Dresdner Hilfsorganisation Mission Lifeline betriebene Schiff harrt deshalb seit Tagen mit 234 Flüchtlingen an Bord in internationalen Gewässern vor der Küste Maltas aus.

Italien drohte mit Beschlagnahmung

Italiens Innenminister Matteo Salvini von der fremdenfeindlichen Lega-Partei hatte am Montag bekräftigt, dass Schiffe von Hilfsorganisationen, die Flüchtlinge vor der libyschen Küste aufnehmen, keine italienischen Häfen mehr anlaufen dürfen. Salvini sagte auch, dass die Lifeline keine Genehmigung zum Anlegen in Italien erhalten werde. Die Regierung in Rom hatte mit der Beschlagnahmung des Schiffes gedroht.

Die Flüchtlinge auf der Lifeline waren am Donnerstag nahe der libyschen Küste aufgenommen worden. Am Sonntag traf nach Angaben von Mission Lifeline eine Versorgungslieferung aus Malta mit Lebensmitteln und Trinkwasser ein. Die Schiffe Sea-Eye und Sea-Watch hätten zudem Medikamente und Decken gebracht.

Die Hilfsorganisation befürchtet für ihr Schiff ein vergleichbares Schicksal wie das der Aquarius. Das Schiff war mit mehr als 600 Menschen an Bord zunächst von Italien und Malta abgewiesen worden. Erst nach einer längeren Irrfahrt konnten die Flüchtlinge auf der Aquarius vor gut einer Woche in Spanien an Land gehen. Auch in diesem Fall hatte sich Frankreich bereit erklärt, einige der Flüchtlinge aufzunehmen.