Erstmals in der Geschichte Saudi-Arabiens dürfen Frauen in dem islamisch-konservativen Königreich Auto fahren. Um Mitternacht Ortszeit endete das jahrzehntelange Fahrverbot für Frauen.

"Es ist ein historischer Moment für jede saudi-arabische Frau", sagte die Fernsehmoderatorin Sabika al-Dosari und setze sich wenige Minuten nach dem Ende des Fahrverbots in der östlichen Stadt Al-Chobar ans Steuer. Im Laufe des Tages dürften Tausende Frauen ihrem Beispiel folgen. Die Pharmaziestudentin Hatun bin Dachil freute sich, nun endlich nicht mehr auf Männer angewiesen zu sein. "Die Tage des stundenlangen Wartens auf einen Fahrer sind vorbei", sagte die 21-Jährige der Nachrichtenagentur AFP.

In den vergangenen Wochen wurden in Saudi-Arabien die ersten Führerscheine für Frauen seit Jahrzehnten ausgestellt. Viele Frauen tauschten nach einem Praxistest ihre ausländischen Führerscheine in saudi-arabische Papiere um.

Saudi-Arabien war das einzige Land der Welt, in dem Frauen nicht selbst fahren durften, was weltweit seit Langem für Kritik und Unverständnis sorgte.

Die Aufhebung des Verbots ist Teil der Reformen, mit denen der mächtige Kronprinz Mohammed bin Salman den Ölstaat liberalisieren und modernisieren will. Neben Autos dürfen Frauen künftig Motorräder, Lieferwagen und Lastwagen fahren.

Allerdings müssen ausgerechnet viele der Aktivistinnen, die sich über Jahre für das Ende des Frauenfahrverbots eingesetzt hatten, den historischen Tag nach Festnahmen in den vergangenen Wochen in Haft erleben. Noch kurz vor der Aufhebung des Fahrverbots wurden Aktivistinnen festgenommen, die gegen das Fahrverbot gekämpft hatten. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sprach von einem "unerbittlichen Vorgehen gegen die Frauenrechtsbewegung".

In anderen Bereichen unterliegen Frauen zudem weiter strengen Restriktionen. So benötigen sie vor Reisen oder einem Studium bestimmter Berufe die Zustimmung ihrer Männer, Väter oder anderer männlicher Verwandter. In der Öffentlichkeit müssen sie ihren Körper vollständig verhüllen.