Die gemeinsame Pressekonferenz von Hilfsorganisation sowie Stadt- und Regionalregierung gerät zur Abrechnung mit der EU-Politik. "Wir haben immer gesagt, dass die EU statt ihrer Politik des Todes das machen sollte, was Open Arms tut: Menschenleben retten", sagt die kämpferische Bürgermeisterin. "Dass wir heute endlich 'willkommen zu Hause' sagen können, ist ein Grund zur Freude. Entweder wir sind eine den Menschenrechten verpflichtete Demokratie, oder wir sind es nicht." Òscar Camps, der Gründer von Open Arms, lächelt still im Hintergrund. Er weiß, dass er in Colau eine Verbündete hat. Die Politikerin hat seine Organisation immer gegen Schleppervorwürfe verteidigt, auch nachdem Italien ihn der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung beschuldigte.

"Wir retten Menschen – das ist unsere Pflicht", sagt Camps. Dass Malta derzeit aus seinen Häfen die Rettungsschiffe nicht auslaufen lasse, sei ein ungeheuerlicher Skandal. "Die EU-Staaten verhalten sich wie Bodyguards in einer Diskothek. Es war Spaniens Pflicht, uns einlaufen zu lassen." Die Klage in Italien gegen Camps findet auch Miguel Urbán lächerlich, der Podemos-Politiker begleitete als einer von vier Europaabgeordneten die Rettungsaktion. "50.000 Menschen stehen vor Europas Grenzen, 2015 war es eine Million", sagt Urban. "Was wir derzeit erleben, ist keine Flüchtlingskrise, sondern eine Krise der Menschenrechte."

Während die Helfer der Open Arms sich im Museu Marítim zum Familienfoto aufstellen, kommen in Esplugues, an Barcelonas Stadtgrenze, die zwei Busse mit den aus dem Mittelmeer geretteten Männern an. Schüchtern lächelnd spazieren sie durch den Garten des im Sommer verwaisten Sportlerheims, in der Hand eine Tasche mit Kleidern, Hygieneartikeln und den geretteten Habseligkeiten. 30 Tage haben sie nun Zeit, in Spanien Asyl zu beantragen. Freiwillige der katalanischen Flüchtlingshilfsorganisation CCRA haben ihnen bei der Ankunft das Prozedere erklärt. Spanien hat im vergangenen Jahr lediglich 30 Prozent der Anträge positiv beschieden, Chancen darauf haben vor allem die Flüchtlinge aus Konfliktgebieten wie Syrien, Palästina und Eritrea. 

Viele von ihnen wollen weiterreisen, nach Frankreich oder, wie Hussein, ein 52-jähriger Syrer mit grauem Schnauzbart, nach Deutschland. Dort lebten seine beiden Söhne. "Germany", sagt er und hebt den Daumen.

Flüchtlinge im Mittelmeer - Das Sterben geht weiter Immer wieder sinken Flüchtlingsboote im Mittelmeer. Was bewegt "Lifeline"-Kapitän Claus-Peter Reisch, Menschen aus dem Meer zu retten? Ein Beitrag aus dem Videoarchiv © Foto: Aris Messinis/AFP/Getty