Zehntausende Diskussionspaare mit unterschiedlicher politischer Meinung werden am 23. September überall in Deutschland Vieraugengespräche führen. Bei der Aktion "Deutschland spricht" kommen Menschen zusammen, die politisch möglichst unterschiedlich denken, dafür aber nahe beieinander wohnen (wie die Aktion funktioniert, erfahren Sie in diesem Artikel weiter unten). Wollen Sie auch dabei sein? Dann beantworten Sie diese politischen Fragen und melden sich an:

Wann haben Sie das letzte Mal mit jemandem gesprochen, der politisch ganz anders denkt als Sie? Schon länger her?

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Keine Sorge, das geht anderen auch so. Wir neigen dazu, uns mit Menschen zu umgeben, die unsere Ansichten teilen. Standpunkte, die unseren eigenen Überzeugungen widersprechen, tun wir gerne als falsch ab oder ignorieren sie einfach. So weit, so menschlich. Allerdings wird dieser Scheuklappeneffekt zunehmend gefährlich.

Nicht nur in den USA und Großbritannien, auch in Deutschland wird der Ton in den Debatten unversöhnlicher, reden die politischen Lager zunehmend mehr übereinander als miteinander. Wenn wir uns am Arbeitsplatz, in unserem Wohnviertel und auf Plattformen wie Facebook oder YouTube nur mit Meinungen beschäftigen, die unseren sehr ähnlich sind, entstehen die viel diskutierten Filterblasen. Die Folge ist eine Spirale nach unten: Mangelnder Dialog erzeugt Unverständnis, Unverständnis erzeugt Härte, Härte vergiftet das politische Klima.

Wir wollen dem etwas entgegensetzen. Am 23. September wollen wir Zehntausende Menschen miteinander ins Gespräch bringen. Je zwei Menschen mit möglichst unterschiedlichen Ansichten sollen sich verabreden, im Café um die Ecke, im Biergarten der nächsten Kleinstadt oder zu einem Spaziergang im Stadtpark. Sie sollen unter vier Augen ihre Ansichten diskutieren und vielleicht feststellen, dass auch der oder die andere gute Absichten hat. Dass auch die Argumente der Gegenseite ein offenes Ohr verdienen.

Die Aktion Deutschland spricht veranstalten wir in diesem Jahr gemeinsam mit vielen anderen Medienhäusern: Chrismon und evangelisch.de sind dabei, die Deutsche Presse-Agentur, die Schwäbische Zeitung, der Spiegel, die Süddeutsche Zeitung und SZ.de, die Südwest-Presse, tagesschau.de und die tagesthemen (ARD aktuell), der Tagesspiegel, t-online.de, die Landeszeitung Lüneburg sowie DIE ZEIT und ZEIT ONLINE. Dank der vielen unterschiedlichen Partner werden wir hoffentlich viele Menschen mit möglichst unterschiedlichen politischen Denkrichtungen erreichen.

Zu diesem Zweck finden Sie ab heute in vielen Artikeln von ZEIT ONLINE und denen unserer Partner eine kleine Box, die Ihnen eine Frage zu einem kontroversen politischen Thema stellt, etwa: Sollte Deutschland seine Grenzen strikter kontrollieren? Oder: Sollten deutsche Innenstädte autofrei sein? Insgesamt sind es sieben Fragen. Leserinnen und Leser, die alle beantworten und uns einige wenige persönliche Daten hinterlassen, bringt ein Algorithmus mit je einem anderen Teilnehmer oder einer Teilnehmerin zusammen, die ganz anders geantwortet hat, dafür aber in der Nähe wohnt. Vielleicht sind die beiden sogar Nachbarn.

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Zum ersten Mal hat ZEIT ONLINE im vergangenen Jahr zu Deutschland spricht aufgerufen. Damals meldeten sich 12.000 Menschen an, am Ende diskutierten 600 Paare in ganz Deutschland. Dafür erhielt unser Projekt den renommierten Grimme Online Award. Diesmal, so hoffen wir, werden sich noch mehr Menschen anmelden, aus allen Teilen der Gesellschaft. Und noch eine Sache ist anders als im letzten Jahr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird die Schirmherrschaft für die Aktion übernehmen.

Sie wollen mitmachen? Beantworten Sie einfach die Ja-Nein-Fragen in diesem Artikel und sagen Sie uns, wie wir Sie erreichen können. Wir melden uns per Mail bei Ihnen – und schlagen Ihnen in wenigen Wochen jemanden in Ihrer Umgebung vor, der ganz anders denkt als Sie selbst. Wenn Sie und Ihr Gegenüber zustimmen, bringen wir Sie in den direkten Eins-zu-eins-Kontakt.

Übrigens: Dieses Projekt findet nicht nur in Deutschland statt. Wir nutzen dafür die Open-Source-Plattform My Country Talks, die wir gemeinsam mit internationalen Partnern konzipiert und zusammen mit Google umgesetzt haben. Die technische Entwicklung liegt bei der Berliner Agentur diesdas.digital. Die Software ermöglicht es Medien weltweit, politisch Andersdenkende in Eins-zu-Eins-Gespräche zu vermitteln. In den kommenden Monaten sind My-Country-Talks-Veranstaltungen in der Schweiz, Norwegen, Österreich und Dänemark geplant. Bald spricht also nicht nur Deutschland, sondern, so hoffen wir, Menschen auf der ganzen Welt.