Wie groß werden die Verluste durch Hitze und Dürre für die Landwirte? Der Deutsche Bauernverband hat eine Summe genannt, die helfen könnte, die Folgen der extremen Witterung abzufedern: "Eine Milliarde Euro wäre wünschenswert, um die Ausfälle auszugleichen", sagte der Präsident Joachim Rukwied den Zeitungen der Funke Mediengruppe vor den Bund-Länder-Beratungen über die Dürrefolgen. "Wir fordern jetzt Liquiditätshilfen, damit wir Betriebe, deren Ertrag mehr als 30 Prozent unter dem Schnitt der letzten Jahre liegt, direkt unterstützen können." Zudem sei eine Risikoausgleichsrücklage sinnvoll. Die Landwirte müssten dann in guten Jahren nicht ihren kompletten Gewinn versteuern und könnten Rücklagen bilden.

In Berlin wollen Vertreter von Bund und Ländern am Dienstag über die Folgen der Hitze und Dürre für die deutschen Bauern sprechen. Ziel ist eine Bestandsaufnahme der Witterungsschäden. Für Julia Klöckner (CDU) ergibt sich derzeit ein sehr unterschiedliches Bild. Während die Winzer mit einem sehr guten Jahrgang rechnen dürften, treibe manche Landwirte die Sorge um ihre Existenz um, erklärte die Bundesagrarministerin.

Insgesamt ist die Lage laut Klöckner alarmierend: "Es zeichnen sich geringere Getreideerträge, starke Trockenschäden bei Kartoffeln, Mais und Zuckerrüben ab. Viele Viehhalter haben Not, ihre Tiere zu versorgen, weil das Gras als Futter fehlt." Eine kleine Entlastung sei für den einen oder anderen Bauern, dass die Erzeugerpreise um etwa zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen seien. Das komplette Bild dürfte erst nach der Erntebilanz Ende August vorliegen. Klöckner kündigte an, auf dieser Grundlage über mögliche Hilfen zu entscheiden.

Die Grünen-Chefin Annalena Baerbock hat die Hitzewelle zum Anlass genommen, konkretere Schritte im Kampf gegen den Klimawandel zu fordern. Die Vorboten der Krise seien angekommen, schrieb Baerbock in einem Gastbeitrag für den Kölner Stadt-Anzeiger. Es sei ein "neuer Klimarealismus" notwendig, zu dem gehöre für sie "ein ambitioniertes Klimaschutzgesetz, ein CO2-Preis, der Abschied vom fossilen Verbrennungsmotor und die verordnete Abschaltung von alten Kohleblöcken". Auch sie sprach sich für Entschädigungszahlungen aus: Ein Klimaanpassungsfonds könne jene entschädigen, die von extremen Ereignissen besonders hart betroffen seien. Finanziert werden könne dieser unter anderem "aus einer vernünftigen CO2-Bepreisung im Sinne des Verursacherprinzips".

Mehr Tropennächte, weniger Frost

Der Wissenschaftler Mojib Latif hält die derzeitige Hitzewelle für außergewöhnlich, weil sie schon so lange anhalte. Mit Blick auf den Klimawandel in Deutschland bestätige sich "mehr und mehr, was wir Klimaforscher lange vorausgesagt haben", sagte der Meteorologe und Professor am Kieler Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung der Passauer Neuen Presse.

"Seit Beginn der Messungen hat sich die durchschnittliche Temperatur um 1,4 Grad erhöht. Das ist mehr als im globalen Durchschnitt", erklärte Latif. "Die Sommerhitze nimmt zu. Wir erleben immer mehr Hitzetage mit 30 Grad oder mehr. Zugleich nimmt die Zahl der Tropennächte zu, in denen die Temperatur nicht mehr unter 20 Grad fällt." Zugleich nehme die Zahl der Frosttage in Deutschland immer weiter ab. "Das ist ein offensichtlicher Trend."

Kurzfristig lasse sich diese Entwicklung nicht aufhalten, so der Klimaforscher und kritisiert: "Die internationale Politik tut zu wenig, steuert nicht konsequent um. Der weltweite CO2-Ausstoß steigt immer weiter an, die Erderwärmung nimmt immer weiter zu." Seiner Ansicht nach unternehme auch die Bundesregierung zu wenig, und die Automobilindustrie habe die Selbstverpflichtungen zu Klimaschutz und Schadstoffausstoß nie eingehalten. "Diese kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen dominieren die langfristigen Interessen der Umwelt und des Landes. Je länger wir zögern und nichts tun, desto gefährlicher wird es", warnte Latif. 

Ausgetrocknete Elbe legt Schiffsverkehr lahm Ohne Wasser keine Schifffahrt: Wegen der Hitzewelle ist der Elbpegel in Dresden auf 49 Zentimeter gesunken, den niedrigsten Wert seit Jahrzehnten. Und Besserung ist nicht in Sicht. © Foto: Bernd Wüstneck/dpa