Gerald Knaus, der Vordenker des Flüchtlingspakts zwischen der EU und der Türkei, hält ein gemeinsames Flüchtlingszentrum in Spanien für sinnvoll. "Warum richten Deutschland, Frankreich und die Niederlande nicht gemeinsam mit Madrid ein Aufnahmezentrum in Spanien ein?", sagte Migrationsberater Knaus der Welt mit Blick auf die Flüchtlingsbewegungen, die sich zunehmend nach Spanien verlagern. Dort sind der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zufolge dieses Jahr erstmals mehr Flüchtlinge angekommen als in Italien. Knaus leitet die Denkfabrik European Stability Initiative (ESI), 2016 war er Ideengeber des Flüchtlingsabkommens zwischen der EU und der Türkei. 

Das von Knaus skizzierte Modell sieht in den spanischen Zentren Asylentscheidungen innerhalb weniger Wochen vor. "Ich sehe gerade jetzt eine Chance für einen Durchbruch. Dazu brauchen wir eine Koalition betroffener Staaten, die zeigen, wie praktische Lösungen aussehen können", sagte der Migrationsforscher. Anerkannte Flüchtlinge könnten anschließend auf Deutschland, Frankreich, Spanien und die Niederlande verteilt werden. Wer abgelehnt werde, müsse "sofort in die Herkunftsländer zurück". Nötig dafür seien Abkommen mit den wichtigsten Herkunftsländern in Afrika. Wenn diese bei der Rücknahme von nicht Schutzbedürftigen helfen würden, könnten im Gegenzug Kontingente an Arbeitsvisa oder Stipendien für legale Migration zugesagt werden.

Nachdem sich die Flüchtlingskrise im Mittelmeer immer stärker nach Spanien verlagert hat, forderte die Regierung in Madrid am Wochenende eine europäische Lösung und mehr Beistand der EU-Partner. Insgesamt reisten der IOM zufolge seit Jahresbeginn 55.000 Menschen illegal auf dem Seeweg nach Europa ein, halb so viele wie im Vorjahr. Von ihnen wurden rund 21.000 in Spanien registriert, 18.130 in Italien, 15.530 in Griechenland, etwa 240 auf Malta und knapp 110 auf Zypern.

Auch die EU-Kommission hatte sich zuletzt für eine EU-weite Lösung ausgesprochen. Die EU-Staats- und Regierungschefs hatten sich Ende Juni auf einen Kompromiss in der Migrationspolitik geeinigt. Unter anderem sollen auf freiwilliger Basis gemeinsame Asylzentren innerhalb der EU eingerichtet und Aufnahmelager für Flüchtlinge in Drittstaaten geprüft werden.