Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sorgt sich wegen der Debatte um den zurückgetretenen Fußball-Nationalspieler Mesut Özil um das Ansehen Deutschlands in der Welt. "Es schadet dem Bild Deutschlands, wenn der Eindruck entsteht, dass Rassismus bei uns wieder salonfähig wird", sagte Maas der Bild-Zeitung. Die Debatte zeige, welchen bitteren Anfeindungen Migranten hier noch immer ausgesetzt seien. Die Zahl der fremdenfeindlichen und antisemitischen Übergriffe sei bedrückend hoch. "Das ist einfach beschämend für unser Land", sagte der deutsche Außenminister.

Unmittelbar nach dem Rückzug Özils aus der deutschen Nationalmannschaft hatte der SPD-Politiker noch gesagt: "Ich glaube nicht, dass der Fall eines in England lebenden und arbeitenden Multimillionärs Auskunft gibt über die Integrationsfähigkeit in Deutschland." Dafür kritisierte unter anderem Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) den Außenminister. Schröder hatte die Äußerungen des Außenministers in der Süddeutschen Zeitung als unerträglich bezeichnet.

Özil hatte seinen Rücktritt aus dem DFB-Team nach der WM in Russland mit Rassismus begründet, sowie mit der Art und Weise, wie der DFB nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft mit ihm umgegangen sei. Insbesondere griff er in seiner Rücktrittserklärung DFB-Chef Reinhard Grindel an. Grindel weist den Rassismusvorwurf zurück, räumt aber Fehler ein.

Özil und sein Nationalmannschaftskollege İlkay Gündoğan hatten sich kurz vor der Präsidentenwahl in der Türkei mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan getroffen und ihm Trikots ihrer jeweiligen Vereinsmannschaften überreicht. Dies war als Wahlkampfhilfe für Erdoğan kritisiert worden, dem unter anderem Missachtung von Menschenrechten und Pressefreiheit vorgeworfen wird. Özil verteidigte das Foto als Respektbezeugung gegenüber dem Präsidenten des Landes seiner Vorfahren.

Özils Rücktritt löste in Deutschland eine Rassismusdebatte auf verschiedenen Ebenen aus. Der Aktivist Ali Can nutzte die Diskussion, um auf Alltagsrassismus aufmerksam zu machen und startete die sogenannte "MeTwo"-Kampagne. In den vergangenen Tagen teilten Tausende Menschen auf Twitter unter dem Hashtag "MeTwo" ihre Erfahrungen mit rassistischer Diskriminierung.