In den vergangenen 18 Jahren ist in Deutschland jedes zehnte Schwimmbad geschlossen wurden. Das geht aus einer Recherche der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) hervor. Damals gab es laut der Sportstättenstatistik der Sportministerkonferenz 6.716 Schwimmbäder, berichtete die FAS. Heute sind es nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen noch knapp 6.000. 

In Nordrhein-Westfalen mussten in diesem Jahr bereits acht Schwimmbäder geschlossen werden, 19 weitere sind von einer Schließung bedroht. Im Schnitt macht dort jeden Monat ein Bad zu. Das zeigt eine Statistik der Deutschen-Lebens-Rettungsgesellschaft (DLRG), die der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung vorliegt. Deutschlandweit stehen 128 Schließungen seit Anfang 2016 nur 42 Sanierungen von Bädern und sechs Neueröffnungen gegenüber.  

Um Deutschlands Schwimmbäder zu erhalten, hatte die Gesellschaft für das Badewesen im vergangenen Jahr zusammen mit anderen Verbänden eine "Bäderallianz" gegründet, berichtet die FAS. Sie wirbt sie für einen "Masterplan", der von Bund, Ländern und Kommunen gemeinsam erarbeitet und umgesetzt werden soll.

Ein Viertel der Grundschulen hat keinen Zugang zu einem Schwimmbad

Die Bundesregierung sieht den Erhalt der Bäder aber als Aufgabe der Länder sowie der Städte und Gemeinden. Die Länder seien "aufgerufen, die Kommunen bei der Erhaltung der sozialen Infrastruktur zu unterstützen und tun dies auch mit eigenen Programmen", sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium Marco Wanderwitz (CDU) der FAS. Sportpolitiker der Regierungsparteien halten das aber nicht für ausreichend. So sagte der sportpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Detlev Pilger, der Zeitung, seine Partei werde sich in den kommenden Haushaltsverhandlungen "gegen den Widerstand des Koalitionspartners für ein langjähriges Programm einsetzen, welches nicht nur einzelne Projekte mit wenigen Mitteln unterstützt, sondern welches flächendeckend in ganz Deutschland greift".

Laut Zahlen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sind 59 Prozent der zehnjährigen Kinder in Deutschland keine sichereren Schwimmer. Dies hatte eine repräsentative Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2017 ergeben. Nur 40 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen haben ein Jugendschwimmabzeichen. Rund 25 Prozent der Grundschulen haben keinen Zugang zu einem Schwimmbad. Während unter den von Forsa befragten 45- bis 59-Jährigen noch 52 Prozent das Schwimmen in der Grundschule gelernt haben, sind es bei den 14- bis 29-jährigen Befragten nur noch 36 Prozent.