Private Altenpflege-Anbieter haben ein breites Programm zur Werbung ausländischer Arbeitskräfte gefordert. In einem zweijährigen Pilotprojekt sollten vom Bund koordiniert bis zu 15.000 Mitarbeiter aus dem Ausland gewonnen werden, teilte der Arbeitgeberverband Pflege mit. Wer binnen sechs Monaten als Fachkraft anerkannt sei und einen Arbeitsvertrag habe, müsse dann auch ein Bleiberecht erhalten.

In der Alten- und Krankenpflege sind 35.000 Stellen für Fachkräfte und Helfer unbesetzt. Deshalb sollten nach den Vorstellungen der Arbeitgeber zudem 15.000 bisherige Hilfskräfte weitergebildet werden. Dadurch könnten die von der Bundesregierung angestrebten 13.000 zusätzlichen Stellen in der Altenpflege zügig besetzt werden. Ein solches Programm dürfte nach den Angaben des Arbeitgeberverbands rund 36 Millionen Euro kosten.

Verband: Selbstbeteiligung der Patienten könnte steigen

Zugleich warnte der Verband vor steigenden Personalkosten. Die Bundesregierung will durchsetzen, dass in der Pflege mehr Tarifverträge gelten, um die Arbeit für Beschäftigte attraktiver zu machen. Wenn man mehr Personal und bessere Bezahlung wolle, drohten Steigerungen der monatlich von den Betroffenen selbst zu zahlenden Kostenanteile, teilte der Verband mit, der nach eigenen Angaben die umsatzstärksten privaten Altenpflege-Unternehmen mit 40.000 Beschäftigten vertritt.

Berlin - Heute pflegt Herr Qoshja In Deutschland fehlen rund 80.000 Pflegekräfte. Die Lücke sollen Menschen wie Samed Qoshja aus Albanien schließen. Gelingt das? Eine Videoreportage © Foto: Bart Biesemans

Der Beruf des Pflegers ist in Deutschland weiterhin nicht sehr beliebt und es ist schwer, offene Stellen zu besetzen. Schon jetzt steigt der Anteil der Pflegekräfte aus dem Ausland. Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht das als Teil der Lösung und will verstärkt Pflegerinnen und Pfleger aus Osteuropa anwerben.

Einer Studie zufolge müssen Pflegekräfte mit Migrationshintergrund in Deutschland allerdings häufig unter noch härteren Bedingungen arbeiten als ihre deutschen Kollegen. Untersuchungen der Hans-Böckler-Stiftung zufolge machen sie mehr unbezahlte Überstunden, müssen häufiger putzen und fühlen sich nach der Arbeit eher erschöpft. Pfleger und Pflegerinnen, die aus Osteuropa stammen, werden demnach besonders häufig von Heimbewohnern und deren Angehörigen kritisiert, ausländerfeindlich beschimpft oder sogar körperlich angegriffen.