Weibliche Flüchtlinge schneiden bei Integrationsindikatoren wie Spracherwerb und Beschäftigungsquote schlechter ab als Männer. Zudem haben sie weniger Kontakt zu Einheimischen. Das zeigen die Ergebnisse einer aktuellen Studie der Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Thomas Liebig, Migrationsexperte der OECD, sagte bei der Vorstellung der Studie, Frauen seien strukturell benachteiligt: "Weil sie Frauen sind, Migranten und Flüchtlinge." Das wirke sich negativ auf die Integration in den Empfangsländern aus. Frauen nehmen demnach viel seltener an Maßnahmen teil als Männer – erzielen aber häufig bessere Ergebnisse.

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Nur 12 Prozent der Frauen haben täglich Kontakt zu Deutschen. Bei den männlichen Flüchtlingen sind es etwa 27 Prozent. Dabei steigern sich bei den Frauen die Chancen auf Beschäftigung durch Bekanntschaften um 12 Prozentpunkte. Bei Männern wurde in diesem Zusammenhang kein Effekt festgestellt.

Schlechteres Bildungsniveau unter weiblichen Flüchtlingen

Wie Daten des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge zeigen, sind weibliche Flüchtlinge insgesamt schlechter gebildet als männliche Flüchtlinge. Der Experte macht dafür die Geschlechterungleichheit in den Herkunftsländern verantwortlich. Vor allem Frauen aus Syrien, dem Irak und dem Iran besuchen seltener eine Schule und arbeiten aus Armutsgründen häufiger.

Ein weiterer Grund für das schlechtere Bildungsniveau von weiblichen Flüchtlingen sei der Kinderwunsch vieler Frauen. "Ungewissheit und Unsicherheit vor und während der Flucht hindern die Frauen an der Verwirklichung des Kinderwunsches", sagte Liebig. "Wartefristen beim Familiennachzug können den Kinderwunsch zusätzlich verstärken." Deshalb bekommen die Frauen vor allem in den ersten zwei Jahren nach ihrer Ankunft besonders häufig Kinder.

Außerdem litten weibliche Flüchtlinge häufig an gesundheitlichen Problemen. "Niedrige Beschäftigungsquoten bei Frauen werden nicht in erster Linie durch kulturelle Probleme bestimmt, sondern durch spezifische Bedingungen vor, während und nach der Flucht", sagte Liebig. "Dagegen können wir etwas tun."

Lob für Integrationsbemühungen in skandinavischen Ländern

Liebig lobte die skandinavischen Länder für die erfolgreiche Integration von Frauen aus Syrien und Afghanistan. Diese gelinge besser als in Deutschland. Das läge vor allem an maßgeschneiderten Förderprogrammen. Diese Programme dauern zwei bis drei Jahre und umfassen je nach individuellem Bedarf Sprach- und Bildungskurse, Praktika und Arbeitstrainings sowie eine staatliche Gehaltsförderung.

Der Migrationsexperte empfiehlt, auch in Deutschland mehr Sprachkurse speziell für Eltern und Frauen anzubieten. In solchen Kursen sei die Erfolgsquote höher als in normalen Integrationskursen. Mentorenprogramme könnten dabei helfen, Kontakte in die Arbeitswelt herzustellen. Außerdem müssten sozial isolierte Flüchtlingsfrauen besonders betreut werden.

In Deutschland ist der Anteil von Frauen und Mädchen unter den Flüchtlingen in den vergangenen Jahren gestiegen. Noch 2015 lag ihr Anteil bei rund 30 Prozent. Mittlerweile liegt er unter den anerkannten Flüchtlingen, die zum Teil über den Familiennachzug und über Kontingentprogramme einreisten, bei fast 40 Prozent.