#wirsindmehr - »Ich bin wieder froh, Chemnitzerin zu sein« Runa ist in Chemnitz geboren, Max aus Berlin angereist, Hamid vor 20 Jahren aus Afghanistan geflohen. Wie erleben sie rechte Angriffe und Solidarität? Eine Videoreportage © Foto: Laskhmi Sarah

Wie sollen wir umgehen mit den rassistischen Angriffen und Aufmärschen rechter Gruppen in Chemnitz? Diese Fragen diskutieren auch unsere Userinnen und User. In den Debatten unter unseren Artikeln zum Thema geht es dabei um Fragen nach Ursachen wie Konsequenzen – und um die möglichen Mittel und Reaktionen, um sich rechtsextremem Hass entgegenzustellen. Kann ein Konzert etwas bewirken? Eine Demonstration, oder drei? Muss auf parlamentarischer Ebene gehandelt werden? Unsere Community diskutiert verschiedenste Ansätze.

Blinder Hass gegen Unschuldige kann nicht die Alternative sein.
User/in Christon83

Als Chemnitzer muss ich sagen: Ich bin dankbar für das Konzert am Montag, denn in der letzten Woche war die Situation hier extrem angespannt. Und selbst wenn wir Besucher nicht mehr gewesen wären, so haben die, die dort versammelt waren, zumindest das Gefühl bekommen, nicht allein zu sein. Das war wichtig.

Ich verstehe, dass Menschen Sorgen und Ängste haben. Auch am Montagabend war niemand dafür, dass Menschen, egal von wem, auf offener Straße getötet werden. Aber blinder Hass gegen Unschuldige kann nicht die Alternative sein.

Marx sagte nicht: "Proletarier Deutschlands, vereinigt euch!" Er sagte: "Proletarier ALLER Länder, vereinigt euch!" Vielleicht sollten die Rechten lieber Marx lesen, anstatt vor seinem Monument auf und ab zu marschieren. Christon83

Eine Demo ist keine Pille mit Sofortwirkung.
User/in Schleichkäs

Eine Demonstration wie die am Montag ist zwar eine Form der Stellungnahme und des Gesicht-Zeigens. Aber sie ist sicherlich nicht die Kopfschmerzpille mit Sofortwirkung im demokratischen Prozess, denn sie bietet keine sofortige Lösung. Die brisanten Themen unserer Zeit müssen spürbar, ernsthaft und nachhaltig, ohne Wahlkampfmodus angegangen werden: Rente, Bildung, bezahlbarer Wohnraum, Umweltverschmutzung, Klimawandel, Artensterben, aber natürlich auch Migration.

Diese Themen waren jedoch lange vor 2015 bereits aktuell. Und bislang habe ich noch nicht mitbekommen, dass die Rassisten mal für mehr soziale Gerechtigkeit und für Umverteilung gegrölt haben. "Panama Papers? Kenne ich nicht. Ein Migrant aus Panama? Sündenbock!" Das ist einfacher. Und traurig. Schleichkäs

Ich liebe Land, Verfassung, Flagge. Aber ich lasse mich nicht vereinnahmen.
User/in gemäßigt Konservativer

Das Problem besteht darin, dass die AfD und ihre rechtsextremen Verbündeten von Pegida und Co. so tun, als sei jeder, der nicht rechts wäre, links.

Ich bin konservativ. Ich liebe Land, Verfassung, Flagge, und ich lehne auch Merkels Asylpolitik entschieden ab. Aber ich lasse mich ganz sicher nicht von Menschen vereinnahmen, für die das Wort "Rechtspopulist" noch arg verharmlosend ist. Ich habe gerade erst die Rede der bayrischen AfD-Chefin gelesen. Jeder einzelne Satz hätte so auch von der NPD gesagt worden sein können.

Ihr seid nicht Deutschland, ihr seid nicht das Volk, ihr seid eine schreihalsige Minderheit. gemäßigt Konservativer

Ich stürze mich weiter ins gesellschaftliche Leben einer weitgehend weltoffenen Gesellschaft.
User/in coeuragauche

Nach Chemnitz strecke ich meine migrantische, demokratische Faust nun noch energischer nach oben und stürze mich weiter ins kulturelle, gesellschaftliche Leben einer weitgehend liberalen und weltoffenen Gesellschaft, zu der die unbehaarten und behaarten "besorgten Bürger" schon lange nicht mehr gehören.

Dass wir stärker pigmentierte Deutsche nun in allen Bereichen der Gesellschaft vertreten sind und ohne größeren Aufwand wie Vertreibung oder Massenmord nicht mehr zu "entsorgen" sind, das führt bei dir, lieber "besorgter Bürger", zu Krämpfen im rechten Arm oder zuweilen zu Haarausfall. Du schreist und schreist und es ändert sich nichts in deinem schwarz-weißen Weltbild.

Deutschland bleibt offen und bunt. Und du kannst nichts dagegen tun, lieber zutiefst "Besorgter". Und nur hier, nur diesmal koste ich ein verwerfliches Gefühl voll und genüsslich aus: echte Schadenfreude! coeuragauche

AfD-Wählern muss ein sicherer Rückzugsraum gewährleistet werden.
User/in MS-Bielefeld

Unsere Welt dreht sich immer schneller: Globalisierung, Weltwirtschaftskrise, Digitalisierung, die Veränderungen greifen tief. Den Menschen, die AfD wählen, muss Sicherheit, Identität und ein sicherer Rückzugsraum gewährleistet werden – das erkennt man auch ohne Psychologiestudium sofort.

Das geschieht leider nicht, weil die genannten Entwicklungen nahezu ausschließlich von Menschen gesteuert werden, die betriebswirtschaftlich denken und handeln. Volkswirtschaftliche, ethische und besonders soziale Aspekte spielen nur noch eine untergeordnete Rolle. Wenn wir das nicht schnellstens ändern, öffnen wir diesen Rattenfängern Tür und Tor: Einer Partei, die nur ein Thema hat und auch diesbezüglich nicht einmal eine Lösung, sondern nur dumpfes Ressentiment. Einer Partei, deren Jugendorganisation bei Versammlungen "Deutschland, Deutschland über alles" grölt. Einer Partei, die, obwohl sie kaum Inhalte vertritt, 15 bis 20 Prozent Wählerstimmen gewinnt. MS-Bielefeld