Der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz hat nur wenig daran geändert, welche Kinder in Deutschland eine Kindertagesstätte besuchen. Kinder von Akademikerinnen gehen am häufigsten in eine Kita, ergibt eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die ZEIT ONLINE vorliegt. Auch nach der Einführung des gesetzlichen Anspruchs auf einen Betreuungsplatz im Jahr 2013 stieg der Anteil der Kitakinder in dieser Gruppe stärker als in der Gruppe von Kindern, deren Mütter eine andere Berufsausbildung haben.

Mit dem Kitaausbau und dem Anspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem zweiten Lebensjahr sei die Hoffnung verbunden gewesen, dass der Einfluss des Familienhintergrunds auf den Kitabesuch abnimmt, schreiben die Autoren der Studie. "Dies ist nicht der Fall." Kinder, deren Eltern beide einen Migrationshintergrund haben, seien in Kitas weiterhin unterrepräsentiert, heißt es in dem Papier. Bei ihnen stieg die Nutzung einer Kita im untersuchten Zeitraum am geringsten.

Weshalb der Rechtsanspruch an diesen Strukturen bisher nichts geändert hat, ist für die DIW-Autorin Katharina Spieß noch nicht genau geklärt. Das werde derzeit in weiteren Forschungsprojekten erarbeitet. "Womöglich wissen bestimmte Gruppen gar nichts von ihrem Rechtsanspruch", sagt Spieß. Andere Hürden hingegen seien deutlicher erkennbar. Die Suche nach einer geeigneten Kita sei eine Herausforderung. "Es kann vermutet werden, dass Akademikerinnen Mütter sind, die sich dieser Herausforderung eher stellen", sagt Spieß. Für bildungsfernere Familien sei das schwieriger.

Mehr Information für Eltern

Auch die Kosten könnten eine Rolle spielen. "Wir wissen aus Umfragen, dass Eltern im unteren Einkommensbereich teilweise sagen, es sei ihnen zu teuer", erklärt Spieß. Allerdings gebe es hierbei regionale Unterschiede, manche Kommunen erstatteten die Kitakosten teilweise, in anderen wurden die Beiträge ganz abgeschafft. "Und trotzdem gibt es dort Unterschiede zwischen den Gruppen", sagt Spieß.

Ein Ansatzpunkt könnte sein, die Unterschiede durch mehr Informationen zu verringern, sagt die DIW-Ökonomin. Bestimmte Gruppen sollten über die Bedeutung der Kita im deutschen Bildungssystem besser unterrichtet werden. "Den Eltern sollte bewusst sein: Von einer guten Kita kann ein Kind tatsächlich profitieren, ob es nun um die Sprache, das Sozialverhalten oder die Entwicklungsförderung im Allgemeinen geht."  

Die bisher unterrepräsentierten Gruppen an Kitas heranzuführen sei sehr wichtig. "Bildungsökonomische Studien zeigen, dass es gerade die Gruppen sind, die eigentlich am meisten davon profitieren können", sagt Spieß. Eine Kitapflicht hält sie allerdings nicht für sinnvoll. Nur drei Prozent aller Kinder würden nie eine Kita besuchen.