Die Polizei hat nach den Kundgebungen in Köthen zwölf Strafverfahren eingeleitet. Der polizeiliche Staatsschutz ermittelt unter anderem wegen des Verdachts der Volksverhetzung, teilte eine Sprecherin der örtlichen Polizeidirektion mit. Nach der von der AfD angemeldeten Demonstration am Montagabend seien zudem vier Strafanzeigen gestellt worden. In Köthen war in der Nacht zum Sonntag ein 22-jähriger Deutscher nach einem Streit mit zwei Afghanen an Herzversagen gestorben.   

Am Sonntagabend hatten sich etwa 2.500 Menschen an einem Protestmarsch beteiligt, unter ihnen nach Angaben der Sicherheitsbehörden etwa 500 Rechtsextreme aus Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Thüringen. Am Montagabend hatten sich an einer weiteren Kundgebung bis zu 550 Menschen beteiligt.

Am Dienstagabend sollte ein Trauergottesdienst stattfinden. Die rechte Szene hatte ihre Anhänger nach den Vorfällen in Chemnitz und Köthen auch für eine Demonstration in Halle mobilisiert. Dort wurde am Montagabend aus dem Protestzug heraus mehrfach der Hitlergruß gezeigt und von einigen der rund 450 Teilnehmer "Sieg Heil" gerufen, wie die Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd mitteilte. Manche Demonstranten seien stark alkoholisiert gewesen und hätten Polizisten bespuckt.

Polizeibericht: "100 vermummte Personen suchen Ausländer"

Das ZDF-Magazin Frontal 21 berichtet, dass ein Mann, der in Chemnitz aus einer spontanen Demonstration heraus ausländisch aussehende Menschen attackiert haben soll, angeblich Mitarbeiter einer bundesweit tätigen Sicherheitsfirma gewesen sei. Demnach bestätigte ein Sprecher des Unternehmens Securitas, dass der Vorfall und Mitarbeiter dort bekannt seien. Schon Ende August habe man sich "mit sofortiger Wirkung von dem Mitarbeiter getrennt, weniger als zwölf Stunden nachdem uns das Video bekannt wurde", wird der Sprecher zitiert.

Auf dem Video vom 26. August, dessen Echtheit Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen zunächst angezweifelt hatte, ist zu sehen, wie Männer hinter anderen Menschen herrennen. Dabei sind Rufe zu hören wie "Haut ab! Was ist denn, ihr Kanaken?" und "Ihr seid nicht willkommen!".

Aus einem internen Lagefilm der Polizei geht laut Frontal 21 weiter hervor, dass es die Polizei Chemnitz am 27. August mit einer intensiven Bedrohungslage zu tun hatte. Weiter gehe aus dem Polizeibericht hervor, dass es zwischen 21 und 22 Uhr mehrfach Versuche rechtsgerichteter Gewalttäter gab, linke Demonstranten oder vermeintliche Ausländer zu attackieren. Um 21.42 Uhr heißt es in dem Bericht: "100 vermummte Personen (rechts) suchen Ausländer."

Für 21.47 Uhr vermeldet laut Frontal 21 der Bericht: "20 bis 30 vermummte Personen mit Steinen bewaffnet in Richtung Brühl, Gaststätte Schalom". Die angezeigte Attacke auf das jüdische Restaurant in Chemnitz hatte bundesweit Aufsehen erregt.

Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig sagte, sie warte nach ihrem Einladungsschreiben an Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einen Terminvorschlag aus dem Kanzleramt. Die SPD-Politikerin sagte, sie wünsche sich, dass die Regierungschefin und CDU-Vorsitzende die Einwohner von Chemnitz zum Gespräch trifft. "Sie soll zu einem Dialog mit den Bürgern kommen und nicht nur zu einem Gespräch mit mir."