Im Hambacher Forst hat die Polizei mit der Räumung eines der größten Baumhausdörfer begonnen. Der Weg in die Siedlung Oaktown wurde verbreitert, um schweres Gerät in den Wald zu bringen. Die Bewohner von Oaktown warfen der Polizei vor, dabei etwa 20 Bäume gefällt zu haben, darunter auch einige sehr alte. Die Beamten verhandelten derzeit von der Bühne eines Hebekrans aus mündlich mit den Bewohnern des Camps, das aus etwa acht Baumhäusern besteht. Die Bewohner hatten zuvor gewaltlosen Widerstand angekündigt.

Die Polizei hatte am Freitagmorgen ihren Einsatz im Hambacher Forst wiederaufgenommen. Nach Angaben einer Polizeisprecherin waren bereits am frühen Morgen wieder mehrere Hundertschaften der Polizei zum Einsatz vor Ort, um die Baumhäuser von Umweltschützern und Braunkohlegegnerinnen zu räumen. In der Nacht zuvor sei es verhältnismäßig ruhig geblieben.

Eine Gruppe von 18 Kohlegegnern ließ sich laut Polizei am Freitagmorgen von den Einsatzkräften wegtragen. "Die noch in den Baumhäusern befindlichen Personen verrichten derzeit ihre Notdurft unmittelbar über den eingesetzten Polizeibeamten und weigerten sich, die Baumhäuser zu verlassen", teilte die Polizei weiter mit.

Am Donnerstag hatten Spezialkräfte die ersten Aktivisten aus den Baumhäusern geholt und einige der jahrelang geduldeten Bauten zerstört. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Aktivistinnen und Polizei. Es wurden vier Aktivisten, die sich an den Häusern angekettet oder angeseilt hatten, von Höheninterventionsteams auf den Boden geholt. Laut Polizei wurden Beamte und Einsatzfahrzeuge mit Molotowcockatils beworfen und mit Zwillen beschossen. Sechs Personen befanden sich wegen Widerstandshandlungen gegen Vollstreckungsbeamte und Landfriedensbruch in Gewahrsam. In der Nacht sicherten Polizisten die bereits geräumten Waldstücke ab.

"Gefahr im Verzug"

Der Energiekonzern RWE will im Herbst weite Teile des Waldes abholzen, um weiter Braunkohle baggern zu können. Vor Beginn der Kohleförderung war der Wald 4.100 Hektar groß. Nach Angaben des Tagebaubetreibers RWE Power wurden bislang 3.900 Hektar für den Kohleabbau gerodet.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Herbert Reul (CDU) verteidigte die Räumungsaktionen. "Der Staat muss sich durchsetzen", sagte Reul im Deutschlandfunk. Gerichte hätten entschieden und nun sei es die Aufgabe des Staates, Recht und Gesetz anzuwenden. Dazu gebe es keine Alternative.

Dass die Behörden gerade jetzt gegen die jahrelang geduldeten Baumhäuser in dem von Rodung bedrohten Wald vorgehen, begründete Reul mit "Gefahr im Verzug". Es seien immer mehr Kriminelle auch aus dem Ausland angereist und man habe Waffen gefunden. Der Innenminister rief friedliche Demonstrierende dazu auf, sich stärker von gewalttätigen Aktivisten zu distanzieren.