Viele Wähler in Deutschland sind zunehmend populistisch eingestellt. Zu diesem Ergebnis kommt das Populismusbarometer 2018 (PDF) der Bertelsmann Stiftung. Demnach seien 30,4 Prozent Wahlberechtigte populistisch zu verorten – ein Plus von 1,2 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Der Anteil der eindeutig unpopulistischen Wählerinnen und Wähler habe sich in dem Zeitraum um 4,1 Prozentpunkte auf 32,8 Prozent reduziert.

Grundlage für die Studie sind zwei Umfragen von Infratest dimap mit mehr als 3.400 Wahlberechtigten. Diese sollten angeben, welche Partei sie bei der Bundestagswahl 2017 gewählt haben und sich selbst auf dem Links-rechts-Spektrum einordnen, um dann bestimmte Aussagen, etwa zur Frage der "Volkssouveränität" und zur Einschätzung der politischen Elite, zu beantworten.

Die Bertelsmann Stiftung definiert Populismus dabei als eine Idee von Demokratie, die von der Existenz eines objektiv bestimmbaren einheitlichen "Volkswillens" ausgeht. Hierbei gibt es zwei Gruppen: auf der einen Seite das "Volk" und auf der anderen Seite die "Eliten", unter die Politikerinnen, Wirtschaftsführer und Journalistinnen fallen. Ob und inwieweit solche Einstellungen vorliegen, wird durch einen Fragenkatalog ermittelt.

"Im Gesamtbild zeigt sich damit eine zunehmend populistisch eingestellte Wählerschaft in Deutschland", teilte die Stiftung mit. Das gelte vor allem für Menschen aus der politischen Mitte. "Umfang und Intensität populistischer Einstellungen haben sich vor allem in der politischen Mitte signifikant verschärft. Parteipolitisch profitieren davon die politischen Ränder", sagte Robert Vehrkamp, Demokratieexperte der Bertelsmann Stiftung und Mitautor der Studie. Auffällig sei, dass bei Befragten mit höherem Bildungsgrad und Einkommen populistische Einstellungen weniger verbreitet seien.

Grüne sind unpopulistischste Partei

Menschen mit populistischen Einstellungen sind dabei oft unzufrieden mit dem aktuellen politischen Angebot und haben eine Sehnsucht nach einfachen Lösungen in einer durch Globalisierung und Digitalisierung immer komplexer werdenden Welt. Davon profitiert in Deutschland laut der Studie neben der AfD auch die Linkspartei. Für die mitgliederstarken Traditionsparteien CDU, CSU und SPD wird dieser Trend dagegen zunehmend zum Problem. Die Grünen sind laut den Forschern die Partei mit den wenigsten populistischen Positionen – sie haben allerdings auch die unpopulistischste Wählerschaft.

Laut der Studie wählen sieben von zehn Wahlberechtigten, die populistische Positionen gut finden und sich selbst politisch rechts verorten, die AfD. Dass die Partei auch in der politischen Mitte Wähler mobilisieren kann, liegt nach Einschätzung der Forscher am populistischen Angebot der Partei, die sich klar gegen das sogenannte Establishment positioniert.

Populismus besonders mit Sozialpolitik

Allerdings stößt die AfD beim Wählerpotenzial an ihre Grenzen. In der Befragung gaben 71 Prozent der Wahlberechtigten an, sie würden die AfD auf keinen Fall wählen. Das ist mehr als bei jeder anderen im Bundestag vertretenen Partei. "Trotz steigender Umfragewerte wird keine andere Partei so deutlich abgelehnt wie die AfD. Sie liegt mit dieser Ablehnung in etwa auf dem Niveau der rechtsextremen NPD", erläuterte Studienautor Vehrkamp.

Die SPD hingegen steckt zwar im Umfragetief – das Potenzial der Partei ist aber zumindest theoretisch groß. Nur 23 Prozent der Wahlberechtigten würden auf keinen Fall SPD wählen, hieß es in der Studie.

Die Studie zeigt außerdem, dass Parteien Wählerinnen und Wähler vor allem mit populistischen sozialpolitischen Forderungen gewinnen können. Wer sich allerdings für die Aufnahme von "sehr vielen neuen Flüchtlingen" ausspricht, riskiert laut der Umfrage seine Beliebtheit bei Wählerinnen und Wählern.