Das US-Gesundheitsministerium plant laut einem Bericht, die offizielle Anerkennung von Transmenschen rückgängig zu machen. Das berichtete die New York Times am Sonntag unter Berufung auf ein internes, bisher nicht öffentliches Dokument der Behörde.

Laut dem Dokument soll eine neue juristische Definition von Geschlecht entstehen und in einem Gesetz festgeschrieben werden, welches die Geschlechtsdiskriminierung in Regierungsprogrammen verhindern soll. Die Definition sehe vor, dass die Geschlechtsteile, die ein Mensch bei Geburt habe, darüber entscheiden, ob er männlich oder weiblich sei. Bei Unklarheiten solle ein genetischer Test entscheiden. Außerdem solle das Gesetz festlegen, dass ein Mensch sein Geschlecht im Laufe des Lebens nicht verändern kann. Das Gesundheitsministerium, heißt es in der New York Times, habe das Gesundheits-, Bildungs, Justiz- und Arbeitsministerium aufgefordert, die neue Definition anzunehmen.

Das Gesundheitsministerium selbst wollte sich nicht zu dem der New York Times vorliegenden Dokument äußern. Offizielle der Behörde sagten aber, sie würden sich nur an Gerichtsurteile halten. Sie verwiesen unter anderem auf ein Urteil des Bundesbezirksgerichts Texas, in dem Richter Reed O'Connor festhielt, es gäbe keinen Schutz vor Diskriminierung aufgrund der Gender-Identität, also des sozialen Geschlechts.

Der Entwurf für die Gesetzesänderung soll bis Ende des Jahres dem Justizministerium vorgelegt werden, das darüber entscheiden soll, ob sie rechtens ist. Dann könnte die Gesetzesänderung in Kraft treten.

Kritik: "Sie sagen, wir existieren nicht"

Die Pläne des Gesundheitsministeriums stoßen auf Widerstand. So sagte die Juristin Catherine E. Lhamon, die unter der Obama-Regierung im Bildungsministerium an Handlungsempfehlungen für Transgender-Gesetzgebung mitgewirkt hatte, der New York Times: Die neue Gesetzgebung nehme eine Position ein, nach der das, "was Menschen über sich selbst verstehen, irrelevant ist, weil die Regierung anderer Meinung ist". Und Mara Keisling, die Direktorin des Nationalen Zentrums für Transgender-Rechte, warf der Regierung vor: "Sie sagen, wir existieren nicht." Auch unter dem Twitter-Hashtag #WontBeErased (auf Deutsch etwa: Wir werden nicht gelöscht) sprechen sich viele Nutzerinnen und Nutzer gegen die möglicherweise bevorstehende Gesetzgebung aus. 

Die Initiative richtet sich gegen Entscheidungen der Obama-Regierung. Diese hatte eine Haltung vertreten, laut der Geschlecht vor allem eine persönliche Entscheidung und weniger eine Festlegung aufgrund biologischer Merkmale sei. Viele Transmenschen hatten das befürwortet. Sie leben mit der Überzeugung, dass das Geschlecht, dass ihnen bei Geburt zugeschrieben wurde, falsch ist – oder sie wollen sich nicht auf ein Geschlecht festlegen.

Verschiedene Behörden haben unter der neuen US-Regierung bereits transfreundliche Entscheidungen – beispielsweise im Bereich von Schule, Gefängnissen und Obdachlosenunterkünften – der Obama-Regierung revidiert. US-Präsident Donald Trump hatte außerdem versucht, transsexuelle Menschen aus der Armee auszuschließen.

In Deutschland entschied erst im vergangenen Jahr das Bundesverfassungsgericht, dass Menschen sich in Zukunft auch für ein drittes Geschlecht entscheiden dürfen. Dieses Jahr entschied zudem die Weltgesundheitsorganisation Transsexualität aus ihrem Katalog der Krankheiten zu streichen.