Nadia Murad Basee Taha erzählt ihre Geschichte in klaren, einfachen Hauptsätzen. Sie erzählt sie oft. Fast immer trägt sie dabei Schwarz, ihre dunklen Augen blicken direkt ihr Gegenüber an. Sie spricht davon, wie ihre Mütter und ihre Brüder von Männern der Terrormiliz "Islamischer Staat" ermordet wurden. Sie hat gesehen, wie es passierte, durch das Fenster einer Schule, in der sie eingesperrt war. Und sie hat am eigenen Körper erlebt, wozu die Männer des IS fähig sind.

Rund 5.000 Frauen und Kinder wurden im Krieg der IS-Terroristen entführt und verkauft, vergewaltigt und gequält. Nadia Murad Basee Taha war eine von ihnen. Sie ist heute 25 Jahre alt. Und sie spricht über das, was ihr seit dem Tag im August 2014 passiert ist. 

Nadia Murad ist Jesidin. Sie ist in einem Dorf im Nordirak nahe der Stadt Şengal (im Deutschen oft Sindschar) aufgewachsen. Als junges Mädchen wollte sie Geschichtslehrerin werden oder Make-up-Künstlerin.

Am 3. August 2014 überfielen IS-Terroristen die letzte Enklave der Jesiden im Nordirak. Sie raubten alles von Wert und ermordeten innerhalb kürzester Zeit Tausende Männer und ältere Frauen. Die jüngeren Frauen und Kinder, unter ihnen Nadia Murad, entführten und vergewaltigten sie, dann verkauften sie sie weiter.