Der Anteil der arbeitenden Senioren ist deutlich gestiegen. Aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes geht hervor, dass im vergangenen Jahr 16,1 Prozent der 65- bis 69-Jährigen erwerbstätig waren. Vor zehn Jahren waren es lediglich 7,1 Prozent – also weniger als die Hälfte. Das Bundesamt in Berlin will am Vormittag weitere Zahlen zur gesellschaftlichen Teilhabe von Senioren in Deutschland vorstellen. 

Die eigene Rente aufzubessern, ist dafür nicht der einzige Grund. "Viele Leute wollen das und arbeiten freiwillig weiter. Es ist sehr identitätsstiftend, weiter im Arbeitsleben zu stehen", sagt die Altersforscherin Verena Klusmann von der Universität Hamburg. "Und es ist gesellschaftlich gewollt. Man will die Älteren halten, man kann auf ihre Expertise nicht verzichten."  

Klusmann forderte, das Eintrittsalter in den Ruhestand flexibler zu gestalten. Wer gewillt sei, länger zu arbeiten, solle nicht daran gehindert werden. Andererseits müsse es möglich sein, auch früher ohne extreme Nachteile aus dem Job auszuscheiden – etwa in körperlich sehr belastenden Berufen.

Die Gesellschaft wird älter

Viele Senioren haben auch im Alter noch Interesse daran, Neues zu lernen. Im vergangenen Jahr waren dem Bundesamt zufolge 15.000 Seniorinnen und Senioren an deutschen Hochschulen als Gasthörer eingeschrieben. Tendenz steigend. Klusmann hält Lernimpulse für dringend notwendig. "Die Devise ist: Man sollte sich auch im Alter breit aufstellen und sich weiterhin möglichst komplex fordern", sagt sie. Auch die Zahl der Seniorinnen, die das Internet nutzen, steigt kontinuierlich. 

Ende 2017 waren dem Statistischen Bundesamt zufolge 17,7 Millionen Menschen in Deutschland 65 oder älter. Das ist mehr als jeder Fünfte. Und es werden mehr – vor allem, wenn ab etwa 2020 die sogenannten Babyboomer in Rente gehen. Eine Berechnung des Statistischen Bundesamtes von 2015 zeigt: Im Jahr 2060 könnten 23,7 Millionen Menschen in Deutschland leben, die über 65 Jahre alt sind.

Das bedeutet, dass immer weniger Arbeitnehmer in die Rentenkasse einzahlen, während immer mehr Menschen Anspruch auf eine Rente haben. Ohne private Altersvorsorge können viele Menschen schon heute nicht von ihrer Rente leben.