Papst Franziskus hat wegen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs zwei Bischöfe aus dem Klerikerstand ausgeschlossen. Er versetzte den emeritierten und in Deutschland lebenden Erzbischof Francisco José Cox Huneeus und den früheren Bischof Marco Antonio Órdenes Fernández in den Laienstand. Damit verlieren sie ihren Bischofstitel und sind auch keine Priester mehr. Grund für die Strafe seien "offenkundige Akte des Missbrauchs von Kindern", teilte der Vatikan mit.

Die sogenannte Laisierung ist die schwerste Strafe, die die katholische Kirche gegen Priester verhängen kann. Die Betroffenen verlieren sämtliche Ämter, Rechte und Aufgaben, die mit dem Stand als Kleriker zusammenhängen. Auch privat dürfen sie keine priesterlichen Funktionen mehr ausüben.

Der Vatikan gab die Strafen nach einem Treffen des Papstes mit dem chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera bekannt. Thema der Unterredung sei die "schwierige Situation" in der von Missbrauchsskandalen erschütterten chilenischen Kirche gewesen, teilte der Vatikan mit. Es sei um das "schmerzhafte Übel des Kindesmissbrauchs" gegangen und um den Kampf gegen solche Vergehen und ihre Vertuschung.

Die Aufarbeitung von Missbrauchsvorwürfen sorgt in der katholischen Kirche in Chile seit Monaten für Aufruhr. Ermittelt wird gegen 167 Verdächtige, darunter 96 Priester. Im Zusammenhang mit der Affäre um Kindesmissbrauch hatten im Mai 34 Bischöfe des Landes geschlossen ihren Rücktritt eingereicht.

Mit großer Scham

Cox Huneeus, der inzwischen 84 Jahre alt ist und seinen Ruhestand in der Priestergemeinschaft Schönstatt-Patres am Rhein verbringt, sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, sich 2004 in Vallendar an einem zur Tatzeit 17-Jährigen vergangen zu haben. Die Glaubenskongregation des Vatikans hatte deswegen eine Untersuchung eingeleitet.

Der frühere Erzbischof soll nach Angaben der Schönstatt-Patres weiter Mitglied bleiben: "Die Kongregation hat uns ausdrücklich gebeten, Francisco José Cox in der Obhut unserer Gemeinschaft zu behalten", teilte die Priestergemeinschaft in Santiago de Chile mit. Man nehme die Nachricht mit großer Scham auf.