Jeweils im Frühjahr und im Herbst ist das ZDF mit der Reihe zdf@bauhaus auf der historischen Bühne beim Dessauer Bauhaus zu Gast. Anfang November sollte dort die Punkband Feine Sahne Fischfilet aus Mecklenburg-Vorpommern ihr aktuelles Album vorstellen. Doch der Auftritt kann nicht wie geplant stattfinden. Die Stiftung Bauhaus hat von ihrem Hausrecht Gebrauch gemacht und untersagt, dass das Konzert der Band stattfindet.

Das ZDF nahm die Entscheidung mit Bedauern zur Kenntnis. Die Stiftung Bauhaus habe dem Sender schriftlich untersagt, die Aufzeichnung in ihren Räumen zu veranstalten. "Das ZDF plant weiterhin die Aufzeichnung eines Konzerts zum aktuellen Album der Band, das dem Sendungskonzept entsprechend in Moderationen und Interviews journalistisch eingebettet wird." Der Sender suche nun nach einem alternativen Veranstaltungsort.

Die Stiftung begründete die Absage mit der politischen Ausrichtung der Band. Das Bauhaus solle nicht zum Austragungsort politischer Agitation und Aggression werden. "Politisch extreme Positionen, ob von rechts, links oder andere, finden am Bauhaus Dessau keine Plattform, da diese die demokratische Gesellschaft – auf der auch das historische Bauhaus beruht – spalten und damit gefährden", teilte die Stiftung mit. Die Stiftung habe unmittelbar nach der Veröffentlichung des Konzerttermins beobachtet, dass rechte Gruppierungen in sozialen Netzwerken gegen den Abend mobilisierten. Das Bauhaus befürchte Demonstrationen vor der eigenen Tür, hieß es in einer Stellungnahme der Stiftung.

Die linksgerichtete Punkband Feine Sahne Fischfilet um den Sänger Jan "Monchi" Gorkow, die vorübergehend vom Verfassungsschutz beobachtet wurde, hatte zuletzt auf dem Konzert #wirsindmehr gegen Rechtsextremismus in Chemnitz gespielt. Von der Band gab es bisher keine Stellungnahme.  

"Gefährlich geschichtsvergessen"

Auf landespolitischer Ebene waren sowohl das Konzert wie auch die Absage umstritten. Der Mitteldeutschen Zeitung sagte Regierungssprecher Matthias Schuppe (CDU): "Die Einladung der Band ist schwer bis nicht nachvollziehbar." Die Grünenfraktionsvorsitzende Cornelia Lüddemann hingegen kritisierte den Schritt der Stiftung: "Das Bauhaus ist 1932 auf Betreiben der Nazis aus politischen und ideologischen Gründen geschlossen worden. Jetzt aus politischen Erwägungen in die Programmgestaltung des ZDF einzugreifen, halte ich für gefährlich geschichtsvergessen."

Steffi Lemke, die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, sagte, die Stiftung Bauhaus Dessau habe es versäumt, sich in dem Fall aktiv mit Demokratie auseinanderzusetzen. "Stattdessen versteckt sie sich hinter ihrem Hausrecht und knickt vor den Drohungen von Rechtsextremisten ein." Erhard Grundl, der kulturpolitische Sprecher der Grünen, nannte die Absage ein Armutszeugnis für die Stiftung Bauhaus, weil es ein Widerspruch zu dem sei, wofür das Bauhaus stehe: "Das Dessauer Bauhaus hatte den Anspruch, die moderne Gesellschaft mitzugestalten. Dafür wurden die Vertreter des Bauhauses während des Nationalsozialismus verfolgt und viele ins Exil gedrängt."

Die stellvertretende Linkenfraktionsvorsitzende Henriette Quade schrieb auf Twitter: "Es ist so bitter. Die Nazis vertrieben das Bauhaus aus Dessau. Jetzt pöbeln die Nazis gegen ein Konzert einer linken Band und das Bauhaus reagiert mit einer Ausladung der Band. Nebenher greift die Staatskanzlei in Kunst- und Pressefreiheit ein."

Der AfD-Bundestagsabgeordnete Andreas Mrosek, der aus Dessau stammt, hatte die Einladung des ZDF bereits vor der Absage kritisiert. "Es ist ein Skandal, dass ein von Zwangsabgaben finanzierter und zur Ausgewogenheit verpflichteter öffentlich-rechtlicher Sender einer linksextremistischen Band ein solches Forum bietet."