Eine Woche nach der Aufhebung ihres Todesurteils ist die Christin Asia Bibi in Pakistan aus dem Gefängnis freigekommen. Bibi saß wegen angeblicher Gotteslästerung neun Jahre in Haft. Seine Mandantin befinde sich derzeit "in einem Flugzeug, aber niemand weiß, wo sie landen wird", sagte Asia Bibis Anwalt Saiful Malook.

Der oberste Gerichtshof Pakistans hatte vergangene Woche das Todesurteil gegen Bibi wegen Gotteslästerung aufgehoben. Er sprach die Frau, deren Fall international Aufsehen erregt hatte, von allen Vorwürfen frei. Nach dem Freispruch kam es in dem konservativ-muslimischen Land zu tagelangen Protesten. Radikale Islamisten gingen auf die Straße, nach zwei Tagen lenkte die Regierung ein. Am Freitag einigte sie sich in Islamabad mit der Islamistenpartei Tehrik e Labaik darauf, dass die Islamisten Berufung gegen die Gerichtsentscheidung einlegen dürfen. Der Fall ging in Revision, der freigesprochenen Bibi wurde die Ausreise zunächst untersagt.

Am Mittwoch sei im Gefängnis in der Stadt Multan, in dem die Christin festgehalten wurde, dann aber eine Entlassungsanordnung eingegangen, sagte ein Gefängnisvertreter. Bibis Ehemann Ashiq Masih hatte die USA, Großbritannien und Kanada darum gebeten, seiner Frau und der Familie zur Ausreise aus Pakistan zu verhelfen und ihnen Asyl zu gewähren. Er fürchtet um das Leben der gesamten Familie. Bibis Anwalt Saiful Malook war bereits Anfang November in die Niederlande geflohen.

Immer wieder kommt es zu Lynchmorden

Blasphemie gilt im islamisch geprägten Pakistan als Kapitalverbrechen. In der Praxis werden unter Blasphemie verächtliche Äußerungen und Taten gegen den Islam, den Koran und den Propheten Mohammed verstanden. Etwa 40 Menschen verbüßen dort nach Schätzungen eines US-Ausschusses zur Religionsfreiheit wegen entsprechender Anschuldigungen derzeit lebenslängliche Gefängnisstrafen oder warten auf ihre Hinrichtung. Immer wieder kommt es zu Lynchmorden wegen Vorwürfen der Gotteslästerung. Kritiker sagen, die Gesetze würden unter anderem missbraucht, um persönliche Feinde zu diskreditieren.

Bibi war 2010 in der Provinz Punjab wegen Beleidigung des Propheten Mohammed zum Tode verurteilt worden. Muslimische Frauen aus ihrem Dorf hatten der Mutter von fünf Kindern vorgeworfen, sich in einem Streit beleidigend über den Religionsstifter geäußert zu haben, sie selbst bestreitet das. Menschenrechtsgruppen und auch Papst Benedikt XVI. hatten sich für Bibis Freilassung eingesetzt.