Human Rights Watch - Nordkoreanische Frauen berichten von sexueller Gewalt durch Beamte Hochrangige Beamte könnten Frauen vergewaltigen, ohne dass sie Konsequenzen zu befürchten hätten. Das berichten knapp 60 geflohene Nordkoreanerinnen der Hilfsorganisation. © Foto: Jason Lee/Reuters

Frauen in Nordkorea sind einem Bericht von Human Rights Watch (HRW) zufolge sexueller Gewalt durch Staatsbeamte und Parteifunktionäre schutzlos ausgeliefert. Das geht aus Interviews mit mehr als 50 Frauen hervor, die aus dem international isolierten Land geflohen sind, wie die Menschenrechtsorganisation bekannt gab. Insbesondere inhaftierte Frauen werden demnach zu Opfern von Vergewaltigungen. Die Organisation wirft der Führung von Machthaber Kim Jong Un vor, nichts dagegen zu unternehmen und die Opfer zum Schweigen zu bringen.

"Jede Nacht wurden einige Frauen gezwungen, mit einem Wärter zu gehen, und wurden vergewaltigt", berichtete laut HRW eine Frau, die in einem nordkoreanischen Gefangenenlager in Grenznähe inhaftiert war. "Jede Nacht öffnete ein Gefängniswärter die Zellentür. Ich blieb still stehen und tat, als ob ich nichts bemerkte. Ich hoffte, dass es nicht ich sein würde."

Frauen, die Güter zum Verkauf auf den nordkoreanischen Märkten über die chinesische Grenze schmuggeln, müssen dem Bericht zufolge "Bestechungsgelder" in Form von Sex bezahlen. Unter den Tätern sind demnach Wachen von den Märkten und den umliegenden Straßen sowie Grenzbeamte. Auch Polizisten, Staatsanwälte, Soldaten und Eisenbahnbeamte seien unter den Tätern.

Den Männern ausgeliefert

Eine ehemalige Textilhändlerin berichtete, sie sei den Männern ausgeliefert gewesen. "An den Tagen, an denen sie sich danach fühlten, konnten mich Marktwächter oder Polizisten bitten, ihnen in einen leeren Raum außerhalb des Markts zu folgen oder zu einem anderen Ort, den sie auswählten", berichtete die Frau. An den entlegenen Orten seien die Frauen dann vergewaltigt worden.

"Es passiert so oft, dass niemand denkt, dass es eine große Sache ist. Wir merken es nicht einmal, wenn wir erschüttert sind", sagte die Frau laut dem Bericht. "Aber wir sind menschlich, und wir fühlen es. So weinst du manchmal nachts wie aus dem Nichts und du weißt nicht, warum."

Laut Human Rights Watch ist sexuelle Gewalt in Nordkorea mit seiner streng hierarchischen und paternalistischen Gesellschaft ein Tabuthema. Die Organisation rief die Führung in Pjöngjang auf, das Problem der sexuellen Gewalt anzuerkennen und sicherzustellen, dass diese durch die Behörden als Verbrechen behandelt wird. Nach eigenen Angaben befragte die Organisation für den Bericht 54 Frauen und acht frühere Beamte, die seit der Machtübernahme durch Kim Jong Un 2011 ihr Land verlassen hätten.

Die Regierung von Machthaber Kim Jong Un weist entsprechende Vorwürfe entschieden zurück und betont, Menschenrechte zu schützen.