Bei der Parlamentswahl in Bangladesch sicherte sich Premierministerin Scheich Hasina Wajed mit der Regierungspartei Awami-Liga eine weitere Amtszeit. Das teilte die staatliche Wahlkommission mit. Die Oppositionspartei Bangladesh Nationalist Party (BNP) erklärte, die Parlamentswahl nicht anerkennen zu wollen. Man werde die Ergebnisse nicht akzeptieren und fordere deshalb Neuwahlen unter einer neutralen Regierung.

Der Wahlkommission zufolge habe das Regierungsbündnis um Hasina insgesamt 288 Sitze gewonnen, was für eine Regierungsbildung reiche, sagte der Sekretär des Gremiums, Helal Uddin Ahmed. Die Oppositionspartei BNP erreichte demnach sechs Sitze.

Auch die islamistische Partei Jamaat-e-Islami, die mit der BNP verbündet ist, hat angekündigt, das Wahlergebnis nicht anzuerkennen. Ein Sprecher der Wahlkommission sagte, es habe "einige" Beschwerden über Unregelmäßigkeiten gegeben, die nun geprüft würden.

Polizei erschießt drei Menschen

Schwere Zusammenstöße zwischen Anhängerinnen und Gegnern der Regierung sowie Betrugsvorwürfe hatten die Parlamentswahl überschattet. Bis zur Schließung der Wahllokale wurden mindestens 17 Menschen getötet und mehr als 20 verletzt.

Nach Polizeiangaben wurden 13 Menschen bei Zusammenstößen zwischen Unterstützern von Awami-Liga und BNP getötet. Drei weitere Menschen erschoss die Polizei – einer von ihnen hatte den Angaben zufolge versucht, eine Wahlurne zu stehlen. In der Stadt Bashkhali schossen Polizisten auf Oppositionsanhänger, die ein Wahllokal stürmen wollten. Nach Polizeiangaben wurde zudem ein Hilfspolizist von Oppositionsanhängern getötet.

Bereits im Wahlkampf in den vergangenen Wochen starben 13 Menschen bei Zusammenstößen zwischen Anhängern von Regierung und Opposition, Tausende wurden verletzt. Die BNP wirft der Regierung Unterdrückung und Gewalt vor. Nach ihren Angaben wurden im Vorfeld der Wahl rund 14.000 Regierungsgegnerinnen und -gegner festgenommen. Seit September seien zudem mehr als 300.000 Lokalpolitiker und Mitglieder der BNP mit "falschen und fingierten Klagen" überzogen worden, heißt es im jüngsten Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch. Auch Oppositionsführerin Khaleda Zia von der BNP sitzt wegen Korruptionsvorwürfen in Haft.

Zwei Frauen an der Staatsspitze

Die Konkurrenz zwischen Zia und Hasina sorgt in Bangladesch immer wieder für politischen Stillstand. Über einen Zeitraum von mehr als 25 Jahren wechselten sich die beiden Frauen an der Regierungsspitze ab. Nach der Wahl steht die 71 Jahre alte Hasina, die Tochter des ersten bangladeschischen Staatschefs Sheikh Mujibur Rahman, vor ihrer dritten Amtszeit in Folge – ihrer vierten insgesamt.

Rund 104 Millionen der etwa 160 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner des überwiegend muslimischen Bangladeschs waren wahlberechtigt. Im Südosten des Landes leben rund eine Million Angehörige der Rohingya, die im vergangenen Jahr aus Myanmar vor Militärgewalt und Vertreibung flüchteten. Im Wahlkampf spielte der Umgang mit dem muslimischen Volk allerdings kaum eine Rolle, er war von Wirtschaftsthemen bestimmt. Bangladesch gehört zu den am dichtesten besiedelten und ärmsten Ländern der Welt. Seit einigen Jahren wächst das Bruttoinlandsprodukt, zuletzt um 7,8 Prozent. Die Ergebnisse der Parlamentswahl werden am Montag erwartet.