Die Christin Asia Bibi kann Pakistan verlassen. Das oberste Gericht in Islamabad bestätigte den Freispruch für die ursprünglich wegen Gotteslästerung verurteilte Katholikin. "Der Berufungsantrag ist abgelehnt", sagte Richter Asif Saeed Khosa. Islamisten hatten den Antrag eingereicht, nachdem ein vor acht Jahren verhängtes Todesurteil gegen die fünffache Mutter im Oktober aufgehoben worden war.

Mit der Entscheidung steht einer Ausreise von Asia Bibi und ihrer Familie aus Pakistan rechtlich nichts mehr im Wege. In dem Land ist sie nicht mehr sicher. Seit ihrer Haftentlassung am 7. November lebte Bibi unter hohen Sicherheitsvorkehrungen an einem geheimen Ort. Als ein mögliches Land für einen Asylantrag ist auch Deutschland im Gespräch.

Asia Bibi war 2010 als erste Frau in Pakistan wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilt worden. Sie soll den Propheten Mohammed beleidigt haben. Der Fall hatte international Aufsehen erregt. 2011 wurde der liberale Gouverneur von Pakistans größter Provinz Punjab erschossen, nachdem er Bibi verteidigt und die Blasphemiegesetze kritisiert hatte. 2014 bestätigte ein Gericht in Lahore das Todesurteil.

Im Juli 2015 wurde die vorläufige Aussetzung der Vollstreckung angeordnet. Erst im Oktober ordneten Richter in Islamabad die sofortige Freilassung der Christin an. Die Staatsanwaltschaft habe die Schuld der Angeklagten nicht zweifelsfrei beweisen können, hieß es in dem Berufungsurteil. Damit folgte das Gericht den Ausführungen der Anwälte von Asia Bibi über widersprüchliche Zeugenaussagen.

Wütende Islamisten protestierten so lange gegen das Urteil, bis die Regierung zusagte, die Katholikin nicht ausreisen zu lassen, bis der Fall noch einmal geprüft sei.