Jutta Behrwind ist Geschäftsführerin der privaten Kindertagesbetreuung Behrwind gUG in Essen. Sie hat für ihre Einrichtungen eine Impfpflicht eingeführt. Warum?


ZEIT ONLINE: Frau Behrwind, wogegen muss mein Kind geimpft sein, wenn es bei Ihnen aufgenommen werden soll?

Jutta Behrwind: Gegen Masern, Rotavieren, Hepatitis B, Tetanus… Sie brauchen alle Impfungen, die die Ständige Impfkommission empfiehlt.

ZEIT ONLINE: Warum?

Behrwind: Unsere Einrichtungen werden von sehr kleinen Kindern besucht, manche sind erst vier Monate alt. Wir wollten deren Sicherheit erhöhen. Aber auch die Sicherheit unserer Mitarbeiter, der Eltern, besonders der schwangeren Mütter, der Geschwisterkinder. Von einem Impfschutz profitieren alle.

ZEIT ONLINE: Hatten Sie denn schon mal Fälle von Masern oder anderen Ansteckungserkrankungen in Ihren Einrichtungen?

Behrwind: Nein, aber wir wollen, dass das auch so bleibt. Die meisten Kinder in unseren Einrichtungen sind ohnehin geimpft.

ZEIT ONLINE: Wie kam es zu der Entscheidung für die Impfpflicht?

Behrwind: Seit vier Jahren frage ich immer wieder bei der großen Versammlung im Februar, ob sie sich eine Impfpflicht vorstellen können. Wir haben insgesamt fünf Einrichtungen mit 13 Elternvertretern und 74 Kindern. Bislang gab es immer Gegenstimmen. In diesem Jahr nun haben wir uns einstimmig dafür ausgesprochen. Und wir haben es sofort umgesetzt.

ZEIT ONLINE: Und haben einige Eltern ihre Kinder daraufhin abgemeldet?

Behrwind: Im Gegenteil. Wir haben sehr viel Zuspruch bekommen. Über Facebook, über Anrufe, über E-Mail, von Eltern aber auch von Menschen, die wir gar nicht kennen. Das hat mich sehr gefreut.

ZEIT ONLINE: Glauben Sie, ihr Beispiel macht Schule?

Behrwind: Hoffentlich! Ich wünsche mir auch für andere Einrichtungen Sicherheit vor ansteckenden Krankheiten.