Auf einer kleinen dänischen Insel lebten bislang vor allem Tiere, die mit der Schweinegrippe oder anderen gefährlichen Viren infiziert sind. Sie diente Wissenschaftlern als Forschungsstätte und Labor. Doch die Station der Abteilung Virusforschung des Veterinärinstituts der Technischen Universität Dänemark soll weichen, die Insel soll dekontaminiert werden. Denn der Staat Dänemark will hier von 2021 an abgelehnte und kriminelle Asylbewerber unterbringen.

Unterkünfte für 125 Migranten sollen gebaut werden, hauptsächlich für Menschen, die kein Recht oder keine Chance haben, in Dänemark zu bleiben, aber aus humanitären Gründen nicht in ihre Heimatländer zurückgebracht werden dürfen. So jedenfalls haben es die Mitte-rechts-Regierung und die sie unterstützende Dänische Volkspartei entschieden, als sie Ende 2018 den Haushalt festlegten. 759 Millionen dänische Kronen, über 100 Millionen Euro, soll die Umgestaltung der Vireninsel in ein Abschiebelager kosten. Die dänische Ministerin für Immigration, Inger Støjberg, begründete den Umgang mit den abgelehnten Asylbewerbern so: "Sie sind in Dänemark unerwünscht und müssen es fühlen!", schrieb sie im November in einem Facebook-Post.

Lindholm, so der Name der Insel, ist nur sieben Hektar groß und hat die Form einer Kaulquappe. Auf Google Earth erkennt man gut ein halbes Dutzend Häuser, außerdem die Schornsteine eines Krematoriums, Ställe und ein Waldstück, für mehr ist kein Platz. Reporter haben keinen Zutritt. Zurzeit gibt es einen Fährdienst, der Wissenschaftler und Material transportiert. Er fährt zur drei Kilometer entfernten Küste von Süd-Sjælland in den Ort Kalvehave mit 632 Bewohnern und einer Marina. Kalvehave lebt vom Tourismus. Gleich nach Bekanntwerden der Pläne hat sich dort eine Protestgruppe gebildet, nicht jedoch aus Sympathie mit den Migranten, sondern aus Furcht, deren Anwesenheit würde der Region schaden.

Nachts dürfen die Flüchtlinge nicht weg

Es wäre Dänemarks drittes Zentrum für Migranten ohne Asyl oder Aufenthaltserlaubnis, für Menschen, die entweder eine Haftstrafe verbüßt haben oder darauf warten, dass man sie zurück in ihr Heimatland schickt. Sie werden zähneknirschend geduldet. Wer aber nur eine Duldung hat, darf in Dänemark nicht arbeiten, hat keinen Anspruch auf Bildungsangebote und ist in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt.

Wie in den beiden anderen Lagern sollen auch auf Lindholm die Flüchtlinge dazu gezwungen sein, nachts anwesend zu sein. Tagsüber aber stehe es ihnen zu, sich frei zu bewegen. Aber wie, wenn das Land in einer guten halben Stunde abgeschritten ist? Der Fährdienst zum Festland, beteuert die Regierung, werde nicht eingestellt, Lindholm solle keinesfalls ein Gefängnis werden. Doch wie häufig die Fähre verkehren und was sie kosten wird, dazu gibt es noch keine Informationen. Ebenso wenig dazu, wie die Flüchtlinge auf der Insel wohnen und versorgt werden.

Eine Insel isoliert seine Bewohner. Die Menschen leben fern der Gesellschaft und damit auch fern der Freiheit, selbst dann, wenn es keine Zellen und keine vergitterten Fenster gibt. So jedenfalls sieht es Michelle Bachelet, Hohe Kommissarin für Menschenrechte der Vereinten Nationen. Sie sei sehr besorgt über die dänischen Pläne, sagte sie verschiedenen Medien. Isolation stigmatisiere Menschen und erzeuge Hass.

Die dänische Regierung wird das in ihren Überlegungen kaum anfechten, denn seit Jahren schon fällt das Land mit einer drastischen Asylpolitik auf. Seit 2015 hat es 89 Verschärfungen des Asylrechts gegeben. So ist etwa die Unterstützung für Flüchtlinge nur halb so hoch wie die Sozialhilfe. Ein Familiennachzug ist frühestens nach drei Jahren möglich.