Verantwortlich dafür ist zum größten Teil die Dänische Volkspartei. Sie bestand darauf, die Kontrollen an der deutsch-dänischen Grenze wieder einzuführen, sie will den Familiennachzug am liebsten ganz verbieten und fordert, Kindergeld an Asylbewerber erst nach zwei Jahren auszuzahlen. Ihre Forderungen haben Aussicht auf Erfolg, denn im Parlament hat Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen keine Mehrheit. Er ist auf die Unterstützung der Dänischen Volkspartei angewiesen.

Mit seiner modernen Version der Idee der Verbannung von ungewollten Mitmenschen auf Inseln steht Dänemark in einer langen Tradition. Jahrhundertelang wurden Leprakranke vom Rest der Welt ausgeschlossen. Russland erschuf auf der Insel Sachalin eine der größten Strafkolonien des Russischen Reiches, das Straflager auf den Solowezki-Inseln im Weißen Meer diente dem Schriftsteller Alexander Solschenizyn als Vorbild für sein Buch Der Archipel Gulag. Die Amerikaner brachten Kriminelle nach Alcatraz. Die südafrikanische Apartheidregierung verbannte Menschen nach Robben Island, wo auch Nelson Mandela 18 Jahre lang in einem Steinbruch schuftete.

Vorbild Australien

Auch in Deutschland gibt es solche Ideen: Die einstige AfD-Politikerin Frauke Petry schlug 2016 vor, Deutschlands Flüchtlinge – nach Männern und Frauen getrennt – auf abgelegene Eilande zu bringen. Einen Abgeordneten der Dänischen Volkspartei inspirierte ein Besuch in Australien zu der Insellösung. Australien, einst selbst Strafkolonie, interniert Migranten in Camps auf den von aller Welt abgelegenen Pazifikinseln Nauru und Manus. Migranten, die eine Gefängnisstrafe verbüßt hatten, werden auf dem felsigen Christmas Island untergebracht. 

Viele der einstigen Verbannungsinseln sind heute nur noch Touristenattraktionen. Lindholm darf man nicht besichtigen, aus Sicherheitsgründen, teilt die Technische Universität mit. Das mag so sein, es ist schwer zu überprüfen. Auch dänische Medien müssen sich damit zufriedengeben, mit Zoom-Objektiven aus der Ferne die Häuser und den Anlegesteg der Insel zu fotografieren.

Allerdings könnte sich der Plan noch zerschlagen: Im Juli werden Parlamentswahlen in Dänemark abgehalten – und ob die bisherigen Mehrheiten bestehen bleiben, ist ungewiss. Möglicherweise bekommt die Venstre-Partei von Rasmussen genügend Stimmen, sodass sie nicht mehr auf die kleinen rechtsnationalistischen Parteien angewiesen ist. Doch während es anfangs in Kopenhagen noch Proteste gegen die Verbannung der Flüchtlinge gab, sind die inzwischen seltener geworden. Viele, die gegen diese Politik sind, haben sich ins Private zurückgezogen. 

Unbeantwortet ist noch die Frage, ob die Unterbringung der Migranten auf Lindholm gegen die Europäische Menschenrechtskonvention verstößt. Peter Vedel Kessing vom Dänischen Institut für Menschenrechte sagt: "Die Menschen sollen auf eine Insel, damit sie aus den Augen all jener Dänen verschwinden, die keine Fremden wollen." Ob das legal ist, sei jedoch noch nicht entschieden. Es bedürfe etwa einer Gesetzesänderung, um kriminelle Flüchtlinge, die ihre Strafe abgesessen haben, nachts auf Lindholm festzuhalten. Außerdem müsse noch geklärt werden, unter welchen Bedingungen die Migranten auf der Insel leben sollen. Können sie von dort soziale Kontakte pflegen, haben sie eine Beschäftigung? Wie groß ist das Ausmaß der Kontrollen? Wie werden sie sanktioniert, wenn sie Regeln nicht beachten? Erst wenn man das wisse, könne man klären, ob Menschenrechtsverletzungen vorlägen, sagt Kessing.