Der Chef des Flugzeugbauers Boeing, Dennis Muilenburg, hat angesichts des jüngsten Flugzeugabsturzes einer Boeing-Maschine des Typs 737 Max 8 mit US-Präsident Donald Trump telefoniert. Bei dem Gespräch habe er versichert, dass das Flugzeugmodell sicher sei, wie das Unternehmen am Dienstagabend mitteilte. Boeing steht massiv unter Druck, da zahlreiche Länder und Airlines unter dem Eindruck des Unglücks von Sonntag mit 157 Toten ein Start- und Landeverbot für Maschinen des Typs 737 Max erlassen haben.

Die US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) sieht trotz der wachsenden Anzahl internationaler Verbote weiterhin keinen Anlass für eine solche Maßnahme. Bislang hätten die Überprüfungen der FAA keine "systemischen Leistungsprobleme" bei dem Flugzeugtyp und keine Grundlage für ein Startverbot ergeben, schrieb der amtierende Behördenchef Daniel Elwell am Dienstag auf Twitter. Auch hätten Luftfahrtbehörden anderer Länder der FAA keine Daten zur Verfügung gestellt, die Maßnahmen erforderlich machten.

Die "dringende Auswertung" der Daten der am Sonntag abgestürzten Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines dauere an, sagte Elwell weiter. Sollten sich dabei Hinweise ergeben, die die Flugtauglichkeit der Maschinen infrage stellten, werde die FAA "sofortige und angemessene Maßnahmen" ergreifen.

Boeing 737 MAX 8 - Luftraumsperrungen nach Flugzeugabsturz Nach dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 haben mehrere Länder ihren Luftraum für den Flieger gesperrt, auch Deutschland. In den USA darf die Boeing bisher noch fliegen. © Foto: Matt McKnight/Reuters

US-Flugbegleiter für Startverbot

Inzwischen regt sich auch in den USA Widerstand gegen die Flugerlaubnis für den betroffenen Maschinentyp. So forderte die Gewerkschaft APFA (Vereinigung der Professionellen Flugbegleiter), die die mehr als 27.000 Flugbegleiter von American Airlines vertritt, von dem Chef der größten US-Fluggesellschaft am Dienstag, ein Startverbot zu erteilen. Auch die Gewerkschaft der Transportarbeiter (TWU), in der unter anderem die Flugbegleiter von Southwest Airlines organisiert sind, verlangte einen solchen Schritt.

APFA-Präsidentin Lori Bassani teilte mit: "Die Sicherheit unserer Crews und Passagiere hat Priorität." Flugbegleiter ließen sich nicht dazu zwingen zu fliegen, wenn sie sich unsicher fühlten. Die TWU schrieb auf Twitter, Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max 8 sollten nicht mehr starten dürfen, bis die Daten des Absturzes in Äthiopien ausgewertet seien und geprüft worden sei, ob es einen Zusammenhang mit dem Crash in Indonesien gebe. "Menschen müssen immer über Profite gestellt werden." Nach Angaben der TWU sind 17.000 ihrer 150.000 Mitglieder Flugbegleiter bei Southwest Airlines.

Immer mehr Flugverbote

In Europa, Australien und weiten Teilen Asiens haben Luftfahrtbehörden Flugverbote für alle baugleichen Maschinen verhängt. Auch zahlreiche Airlines legten die Flugzeuge wegen Zweifeln an der Sicherheit der Baureihe zunächst still. Zuletzt sperrten Neuseeland, Fidschi und die Vereinigten Arabischen Emirate ihren Luftraum für die betroffenen Boeing-Flugzeuge. Letzte gaben als Grund Ähnlichkeiten zwischen dem Flugzeugunglück in Äthiopien und dem Absturz einer Lion-Air-Maschine im Oktober 2018 an. Das teilte die Behörde für Zivilluftfahrt am Dienstagabend mit. Die Entscheidung ist von besonderer Bedeutung, da die Emirate als internationales Luftfahrtdrehkreuz gelten.